Sich Dialektarten musikalisch zu nähern ist keine leichte Angelegenheit. Auf der einen Seite gibt es Bands wie Sturmpercht oder Fräkmündt, die einen ernsthaften Versuch wagen, sich Mythen und Sagen in regionalem Dialekt zu nähern, dann aber auch Projekte wie LaBrassBanda, die sich der Mundart eher auf ironische Weise nähern. In letztere Kategorie passt dann auch Kellerkommando, die in fränkischem Dialekt singen und gleichzeitig eine musikalische Mischung bietet, die… ja, was eigentlich? So richtig definieren lässt sich die Musik eben nicht, denn irgendwo zwischen Reggae, Blasmusik, Elektronik, Eurodance und HipHop siedeln sich Kellerkommando an und vermengen die Elemente so, als gehörte alles zusammen.

Von den Texten als auch von den Liedern her geht man sehr Party-tauglich vor: Tanzbar ist es, zum Mitgrölen ist es geeignet. Was das Album aber vor Schlagerkatastrophen immer wieder rettet ist, ist die selbstironische Art, mit der hier vorgegangen wird und spätestens mit Vogelfänger, das Mozarts Zauberflöte zitiert, zeigt man, dass hier mehr geboten wird als simpler Klamauk.

Lieder wie Da schau her oder Übermorgen zeigen, dass es um den Exzess im Hier und Jetzt geht. Genau so Von Haus zu Haus, bei dem sich erst ausgeruht wird, wenn man tot ist. Ansonsten werden Wunschträume in Ganz anders bedient, in dem man seinen Chef aus dem Fenster schmeißt. Lieder wie Helene oder Verbrecher sind zwar deutlich schwächer, passen aber letztendlich ins Gesamtkonzept und man ist sich nicht sicher, ob man das Album gut finden will oder nicht – Momente, an denen man sich reiben kann.

Da denkt man beim Plattencover und beim Namen instinktiv an irgendwelche schlechte Elektro-Industrial-Bands, stattdessen ein Album, das auf Scheunenfesten, Kirmes, auf Wacken, auf Folk-Veranstaltungen und genau so im Radio funktionieren kann. Ein Album, das schreckliches mit Genialem vermischt und bei dem man nicht weiß, ob man es nun lieben oder hassen soll – oder beides.

Letztendlich beweist das Album aber schon auf Konserve, dass Kellerkommando live erst richtig gut rüberkommt. Da bleibt nur, auf die nächsten Konzerte zu warten, die an folgenden Daten stattfinden:

19.09.2015 Tuttlingen, Kulturbühne
09.10.2015 Bamberg, Haas-Säle (mit Tommy Jaud)
05.11.2015 Aschaffenburg, Colos-Saal
12.11.2015 Schweinfurt, Stattbahnhof
13.11.2015 Augsburg, Soho Stage
20.11.2015 Memmingen, Kaminwerk
21.11.2015 Stuttgart, Keller Klub
29.12.2015 Nürnberg, Hirsch

Homepage: www.kellerkommando.com
Facebook: www.facebook.com/Kellerkommando
Twitter: www.twitter.com/Kellerkommando

Text: Tristan Osterfeld