Es gibt Alben, die Spuren hinterlassen, tiefe Spuren. Ein solches Album ist Far beyond, before the time. Ursprünglich im Jahr 1999 veröffentlicht gilt es bis heute als eines der essentiellen Alben des Dark Ambient. Hört man nun im Jahr 2015 die um insgesamt vier Bonustracks erweiterte Neuauflage, so wird deutlich, warum das der Fall ist. Das Projekt Kerovnian, das Projekt eines Black Metallers Namens Vlad K. weiß genau, wie man einzelne Elemente einsetzt, um eine Atmosphäre zu erzeugen, die es einem kalt den Rücken herunter laufen lässt und Assoziationen an Horrorfilme und Horrorliteratur aufkommen lässt, seien es die Geschichten von H.P. Lovecraft, Edgar Allen Poe oder die Klassiker wie Frankenstein oder Dracula.

Diese Assoziation tritt vor allem durch die dort ebenfalls zu findenden Stilmittel auf: alte Burgen und Schlösser, das Heulen von Wind, eine verfremdete, nicht zu verstehende Stimme, das Schlagen einer Kirchenglocke, das Klingen einer alten Wanduhr zu Mitternacht und zwischendrin sublimal wirkenden Soundscapes. Dazu kommen rasselnde oder trommelnde Geräusche, das Gluckern von Wasser – eine Mischung, die den Hörer nicht nur als Zuschauer, oder besser Zuhörer, außen vor lässt. Stattdessen ist man mittendrin im Alptraum, so verletzlich, so hilflos, wie Lovecrafts Charaktere, wenn sie dem Übernatürlichen ins Gesicht sehen und dabei unbeschreibliches Grauen erleben.

Das ist sowohl für die ursprünglichen als auch für die vier Bonusstücke zu sagen. Wer auf hochwertigen Dark Ambient steht, der zum Gruseln einlädt und stilistisch an Atrium Carceri erinnert, sollte sich diese Wiederveröffentlichung nicht entgehen lassen.

Text: Tristan Osterfeld