Was machen Musiker, wenn sie auf ihre eigentlichen Band gerade keine Lust haben? Sie setzen sich zusammen und jammen und improvisieren. So zumindest entstand Krautzone auf Mitgliedern von Electric Moon und Zone Six. Bereits ein Album mit dem Titel Kosmische Rituale entstand aus diesen Jam-Sessions. Offenbar reichte das Material aber für einen weiteren Output. Und so erblickt nun Spiritual Retreat die Welt und präsentiert auf dem Cover eine malerische Naturlandschaft, unberührt von der Zivilisation. Nur Menschen, die nicht durch eben diese verdorben sind – ein Bild des edlen Wilden, so präsentiert sich Spiritual Retreat dem Hörer, optisch wie akustisch.

Man möchte fast von schamanischen Einflüssen sprechen, doch das könnte den Eindruck erwecken, man habe es hier mit New Age oder esoterischen Klängen zu tun. Ganz falsch ist das zwar nicht, aber den vielen gruseligen Veröffentlichungen dieser Bereiche würde man dem Album nur Unrecht tun, es mit diesen in eine Schublade zu stecken.

Seinen mystischen Einschlage erhält das Album durch die immer wiederkehrenden repetitiven und rituellen Trommelschläge, über die sich immer wieder die gleichen Riffs legen, während gleichzeitig Synthies und weitere Gitarren jammen oder Pfeif- oder Flötengeräusche dazukommen. Gelegentlich schweift das Riffing dann aber auch komplett ab und verliert sich in epischen Soli, beim Schlagzeug wird dezent über das Becken gestrichen und es entstehen rasselartige Klänge.

Spiritual Retreat ist genau das, was der Name sagt: ein Zufluchtsort vor den Abgründen der Gesellschaft in einer imaginäre Natur, die sich ihren Weg in die Untiefen des Bewusstseins bahnt und dort eine tiefenentspannende Wirkung erzeugt.

Letztendlich bleibt nur zu hoffen, dass in der Jamsession noch mehr Material entstanden ist, das irgendwann das Licht der Welt erblicken wird – oder dass die Musiker sich bald wieder an eine solche Session wagen. Denn genug kriegen kann man von dieser Musik kaum…

Text: Tristan Osterfeld