„Das ist eine Art Ritterschlag“, so Leichtmatrose Andreas Stitz zu der Anmerkung des großen Liedermachers Stephan Sulke zu seiner Version von Ich hab dich bloß geliebt, das nun als neues Single inklusive zugehörigem Clip erschien. Wenn man bedenkt, dass unter anderem auch Katja Ebstein und Herbert Grönemeyer die Nummer gecovert haben, kann man das wohl auch als Ritterschlag sehen, wenn die Version des Leichtmatrosen vom Original-Interpreten als die beste Coverversion des Stücks angesehen wird. Das lässt natürlich auch das im August erschienene Album des Künstlers noch einmal in den Fokus rücken, mit dem er sich dem „deutschen Elektro-Chanson“ verschrieben hat.

Zunächst der Clip zu „Ich hab dich bloß geliebt“:

Überhaupt fällt auf, dass der chansoneske Einschlag auch insgesamt gut zu einem Stephan Sulke passt, sodass es kein Wunder ist, dass dieser dem Leichtmatrosen soviel Aufmerksamkeit widmet. Wer Nummern wie Enten hätt‘ ich züchten sollen schreibt, muss auch mit der Bissigkeit eines Leichtmatrosen etwas anfangen können, die bereits zu Beginn des Albums Du, ich und die andern in Dalai Lama begegnet. „You say hello // und grinst und denkst und glaubst das könnte lässig sein // ich denke nur, ich hau dir deine Fresse ein“ eröffnet die Nummer, die von denjenigen handelt, die weit um die Welt gereist sind, sich gerne damit profilieren, aber hinterher doch wieder die gleichen Menschen wie zuvor sind.

Eine Menge Bosheiten sind es, die der Leichtmatrose auf dem Album unterbringt. Auch in Reingelegt, einem prototypischen Stück für den Künstler, das im mittleren Tempo angesiedelt ist, eingängig wirkt und einen dabei trotz aller kleinen Bösartigkeiten schmunzeln lässt, weil es durchweg hervorragend formuliert ist. „Ich wäre gerne dein Chirurg, um dich zu operieren // ich wäre gern dein Tiefkühlfach, nur um dich zu erfrieren“ ist nur eines von vielen Beispielen, die hier begegnen.

Natürlich sind aber auch Uptempo-Stücke auf dem Album zu finden, wie das neben Reingelegt auch schon auf Vorab-EP veröffentlichte Jonny fand bei den Sternen sein Glück, einem im hohen Tempo angesiedelten Stück, das nach Angaben des Künstlers „von dem einen, der es dann gar nicht gepackt hat, der auf dem Trip, den er gefahren ist, hängenbleibt“ handelt. Eine Hymne auf ein erzwungenes Anderssein, sehr gut umgesetzt. Mit Gastsängerin Dorian E. von Dear Strange ist mit Atlantis ein weiteres Highlight entstanden, das wohl den größten Rock-Einfluss auf dem Album vorzuweisen hat.

Am Ende ist mit dem Zweitling des Leichtmatrosen ein sehr vielseitiges Album entstanden, das eine gute Definition der eigenen Nische „deutscher Elektro-Chanson“ darstellt, sich nicht vor großen Gestern scheut und voll und ganz überzeugen kann. Oder, wie er es im Interview selbst mit Augenzwinkern benannte: „ Es ist eine Symbiose aus Musik und Text entstanden, die einmalig ist.“ Denn tatsächlich: Der Leichtmatrose geht auch gerne mal dahin, wo es weh tut – und das auf eine sehr gelungene Art und Weise.

Homepage: www.leichtmatrose.com
Facebook: www.facebook.com/derleichtmatrose

Text: Marius Meyer