Andere haben sich längst zufrieden in den Ruhestand zurückgezogen. Aber das ist nicht die Sache eines Leonard Cohen. Gerade feierte er seinen 80. Geburtstag, um so Dinge wie Rentenalter schert er sich indes wenig und geht auch mit 80 Jahren noch seiner zum Beruf gewordenen Passion nach: der Musik. So erschien dieser Tage mit Popular Problems dann auch das neueste Alben der kanadischen Legende. Neun neue Stücke präsentiert er uns da in einer Länge von guten 35 Minuten. Das ist nicht gerade lang, aber einem Leonard Cohen sieht man so etwas nach. Schließlich kommt es ja auch auf die inneren Werte an, und die sind beim Schaffen Leonard Cohens sicherlich nicht die Minuten, die das Album andauert.

Das Album hat dabei etwas Unheimliches, das die Spannung hält. Und so paradox es klingen mag: Das Unheimliche definiert sich hier über das Unheimliche, was gar nicht auftritt. Die Stücke strahlen immer wieder eine Harmonie aus, die einen gespannt lässt, wie es weitergeht. Wenn die raue Stimme Cohens erklingt, hängt man ihm an den Lippen und gleichermaßen an der Melodie. Mit Slow eröffnet er langsam und bluesig, die Stimme wirkt dominant, aber ohne die Musiker würde sie eben nicht so wirken, wie sie es tut. Das geht mitunter auch sehr balladesk wie in Samson in New Orleans. Eine sehr schöne Wechselwirkung ergibt sich auch durch den Kontrast mit weiblichen Stimmen, tiefgehende Harmonie verbreiten die Streicher.

Stücke wie Did I Love You wirken gar richtig gut gelaunt, trotz einer inhärenten Melancholie. Das zeigt auch My Oh My, das eine erstaunlich entspannte Wirkung mit sich bringt. Wenn dann You Got Me Singing mit Country-Anleihen beendet, weiß man, dass man hier erneut Großes vom Altmeister gehört hat.

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Text: Marius Meyer