Bisher sind Les Fragments de la Nuit eher in Soundtracks aufgetaucht. So beispielsweise in Independent-Filmen, Animationen und Dokumentationen. Hört man die Musik des Duos – bestehend aus Komponist Michel Villar am Piano und Ombeline Chardes an der Violine – dann verwundert dies auch nicht weiter: Die Musik des Duos wirkt wirklich sehr szenisch. Stimmungen werden aufgebaut, instrumental fließen diese, entwickeln sich und kreieren dabei ihre ganz eigene Dramatik. Weiteres Indiz dafür, dass die beiden vor allem in Scores und Soundtracks beheimatet sind, ist auch die Tatsache, dass die Stücke selten die Drei-Minuten-Grenze überschreiten, sondern sich eher darunter befinden.

Die relative Kürze der Stücke spricht dabei aber gar nicht gegen die Musik, denn die kurzen Stücke wirken dadurch in sich geschlossenen, haben abgeschlossene Dramatik und entwerfen individuell Bilder. Dabei ist die Musik – was die Instrumente bereits vermuten lassen – sehr klassisch geprägt. Stimmungen werden entworfen, aufgebaut, ausgebaut, verworfen, gehen Hand in Hand mit neuen Stimmungen und lassen die Musik stets spannend bleiben. Obwohl es eigentlich nur zwei Instrumente sind, wirkt die Musik erstaunlich opulent. Man kann hier gut von einem opulenten Minimalismus sprechen.

Da sich auf der CD insgesamt 16 Titel finden, lässt sich die Kürze des Großteils der Titel auch gut verschmerzen, bringt die CD es doch trotzdem auf immerhin 40 Minuten. Eine CD, die sowohl Klassikhörer, als auch Neofolk-/Neoklassik-Hörer wie auch Soundtrack-Freunde gut ansprechen kann. Innovativ ist die CD auf jeden Fall und sie zeigt, dass auch solche, die sonst mit Scores ihr musikalisches Dasein fristen, durchaus gut dazu in der Lage sind, das was sie im Film für den Hintergrund erstellen, auch mal zur Hauptsache zu machen. Eine schöne und gleichermaßen spannende Veröffentlichung!

Homepage: www.lesfragmentsdelanuit.com
MySpace: www.myspace.com/lesfragmentsdelanuit

Text: Marius Meyer