Litter ist ein weiteres Musikprojekt aus dem Libanon, diesmal von Elyse Tabet, einer Audio-visuellen Künstlerin aus Beirut. Mit Newfound Grids präsentiert sie ihr Debütalbum, für das als Inspiration eine laufende Maschine gedient hat, die langsam aber sicher den Geist aufgibt. Dies mag sich zuerst nach Lärm anhören, umso überraschter ist man, dass man es auf Newfound Grids dagegen mit sehr fragilen Soundkulissen zu tun hat, die sowohl unbeschwert als auch bedrückend wirken können. Rauschen oder Störgeräusche oder metallisches Klirren ist nicht zu finden, stattdessen dominieren Soundscapes, die von Field Recordings, Synthetischem und Beats durchbrochen werden. Dass das Album dennoch erstmal sperrig ist, liegt dagegen an was anderem.

Bei den ersten Hördurchgängen hat man das Gefühl, die Platte wäre völlig abwechslungsarm. Erst mit der Zeit fällt auf: Die Platte ist monoton, jedoch nicht im negativen Sinne. Stattdessen wird diese immer weiter entwickelt und wandelt ihre Form – und mit der Zeit hat man das Gefühl, die Inspirationsquelle ist eine Metapher für das eigene Leben. Bis das Leben als Erwachsener rund läuft, wird man erzogen. Man muss lernen und irgendwann funktioniert alles mehr oder weniger reibungslos, bis einen dann die Kraft verlässt und das unvermeidliche eintritt. Gleichzeitig entwickelt man sich weiter und ist doch immer der, der man zu Beginn des Lebens war, wobei Entwicklungsprozesse für einen selber unsichtbar bleiben.

Newfound Grids ist daher ein durchaus spannendes Album, das mit vielen Details aufwartet. Mag das Grundgerüst noch schnell durchschaubar sein, so gibt es in diesem immer Neues zu entdecken: Glockenspiele, ratternde Wählscheiben von alten Telefonen oder einfach nur Geräusche, die sich im Hintergrund aufhalten und erst mit der Zeit wirklich vom Bewusstsein erfasst werden. Ein Album, mit dem man sich auseinander setzen muss und dann auch von diesem begeistert sein wird.

Text: Tristan Osterfeld