Dass noch niemand, am allerwenigsten Luke Temple selbst, an die einleuchtende Kombination von seiner Falsett-Stimme mit 80ies-Vintage gedacht hat, mag schon ein wenig sonderbar anmuten, verwundert allerdings kaum, wenn man Temples bisherigen künstlerischen Werdegang bedenkt. Zunächst entschlossen als Maler mit Bildenden Künsten Karriere zu machen, fand er sich schon bald als Musiker wieder. In diesem Nebenjob fand er schließlich mehr Erfolg und Erfüllung, als bei Pinseln und Farben, nicht zuletzt aufgrund der fulminanten Indie-Produktionen von seiner Band Here We Go Magic, die zuletzt Thom Yorke zum Fan gewannen und mit Nigel Godrich zusammenarbeiteten. Temples Soloaufnahmen atmeten stets die melancholische Luft, die große Folk- und Akustikkompositionen umgibt – bis jetzt zumindest.

Good Mood Fool vollendet nämlich das anfangs erwähnte Gedankenspiel. Über scheppernde (Kunstbanausen würden „penetrant“ sagen) Drumbeats und groovende Bassläufe legen sich die charakteristischen Samples eines Juno-1-Synthesizers. Zumindest die simplen, reduzierten, trotzdem jedoch wirkungsvollen Arrangements fielen der Achtziger-Kur nicht zum Opfer; lediglich die Klangerzeuger haben sich in andere verwandelt. Der plötzliche Klangwandel mag in der wieder gefundenen Freiheit eines reinen Solokünstlers liegen und dass Temple nicht mehr das straffe Bandkorsett während des Schreib- und Aufnahmeprozesses um sich herum hatte. Ein Schelm jedoch, wer denkt, dass sich der Amerikaner nicht mindestens durch die Prince-Platten seiner Sammlung gehört hat.

Bereits die ersten beiden Auskopplungen, die die Öffentlichkeit auf den Geschmack bringen sollten, zeigen recht deutlich, wohin die Reise während der neun Songs geht. Mit abgehackten Vocalsamples arbeitet Temple in Katie, einer der drei Songs, denen Frauen den Titel verleihen, und kreiert so, trotz durchaus massenkompatiblen Elementen, eine ganz eigene Atmosphäre, die ihre Vorbilder weiterhin in den Untiefen der Achtziger findet. Im besten Falle erinnert man sich Peter Gabriels Meisterwerk So, nur an dessen Ex-Kollegen Phil Collins und den gestotterten Gassenhauer Sussudio sollte man vielleicht lieber nicht zurückdenken. Florida hingegen, zurzeit mit kongenialem Sommer-Wohlfühl-Video in den Weiten des Netzes zu sehen, schwelgt als White Soul-Musik viereinhalb Minuten lang in seinem eigenen Saft und das sei dem Titel auch gegönnt. Sagenhaft klingt hier das flirrende Synth-Outro.

Nicht immer kann man sich des guten Geschmacks des Künstlers sicher sein; man muss schon sehr genau hinhören (oder eben lieber weg- und den Text überhören), um die eher peinliche MTV-Passage in den lyrischen Ergüssen von Those Kids gut zu finden. Insofern fordert Temple seine Hörer gleich noch mehr, als auf seinen restlichen Tonträgerproduktionen. Good Mood Fool benötigt einen aktiven und genau hinhörenden Konsumenten, der die Eigenverantwortung besitzt, um die jeweiligen Stärken von Temples Musik für sich persönlich herauszufiltern. Unter diesem Gesichtspunkt erinnert mich das Album sehr an die Arbeit von Nick Krgovich und dessen fantastische Band No Kids (die mit ihrem Debütalbum Come Into My House auf Tomlab zumindest einen Achtungserfolg landeten) oder auch an die Soloalben von Donald Fagen (Steely Dan). Selbst den Leuten, die Temples Timbre mit dem von Paul Simon vergleichen, möchte ich an dieser Stelle gar nicht wiedersprechen.

Eine bunte Mischung also, in ein manchmal etwas limitiert wirkendes Sounddesign gepackt. Und obwohl Temple bereits von kreativen Tiefs nach der Fertigstellung eines Albums berichtet hat, ist mit Sicherheit davon auszugehen, dass seine nächste Neuerfindung nicht mehr allzu lange auf sich warten lässt.

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News: Luke Temple – das Album „Good Mood Fool“ + Video

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Text: Fabian Broicher