Während hierzulande bereits eine limitierte EP und die nachfolgenden drei Alben von Lux Interna erschienen, kennt man den Namen in den USA wohl eher zufälligerweise vom Hörensagen. Bis jetzt! Denn dem soll nun Abhilfe geschaffen werden, indem unter dem Titel [a lantern carried in blood and skin] unter der Obhut des Labels Projekt eine Zusammenstellung von Lux Interna erscheint, die einen Überblick über das bisherige Schaffen der Gruppe geben soll. Darauf befindet sich auf einer guten Stunde Spielzeit ein guter Überblick, über die sehr eigene Spielweise von Folk der Band, bei der gerne mal Namen wie Current 93, Backworld, Leonard Cohen und Nick Cave fallen, die aber eher als Einfluss zu nennen sind und weniger als musikalische Referenz.

Man mag sich zunächst wundern, wenn man auf der Titelliste nur zehn Stücke entdeckt, was für eine Werkschau des bisherigen Oeuvres der Band wenig erscheinen mag – sieht man dann aber noch einmal die bereits angesprochene Spielzeit von über einer Stunde, so erscheint das alles gar nicht mehr so verwunderlich. Lux Interna schreiben eben keine knackigen Drei-Minuten-Popsongs, sondern gehen tief und weiten ihre Arrangements aus. Die Stücke entfalten sich, wollen den Hörer im Inneren berühren – das braucht seine Zeit. Und die sei den Stücken absolut gegönnt, denn Langeweile kommt hier zu keiner Zeit auf, obgleich die Stücke selten unter der Sechs-Minuten-Marke liegen. Musikalisch gefüllt sind die Stücke mit Akustikgitarre, Streichinstrumenten, Keyboard sowie dem eingängigen Gesang von Kathryn auf der einen und der tiefen – aber nicht weniger eingängigen – Stimme Joshuas.

Was auffällt ist, dass der Fokus der Titelauswahl vor allem auf God Is Not Dead For The Birds und Ignis Mutat Res – den letzten zwei Alben der Band – liegt. Allerdings: Gerade auf diesen Alben finden sich auch viele der stärksten Stücke der Formation, wie beispielsweise A Season Apart. Keyboard, dezente Perkussion und gezupfte Gitarre bilden einen mehrminütigen Auftakt, der getragen wird von Joshuas Stimme, der sich allmählich steigert, in ein düster-treibendes Folk-Stück weitet und dabei auch dramatisches Violinenspiel aufnimmt. Ein Stück, das auf guten acht Minuten Länge immer opulenter wird und Lux Interna auf voller Länge in ihrer ganzen Stärke zeigt. Die in diesem Titel offenbar werden Qualitäten der Gruppe äußern sich auch in den anderen Stücken, so dass es müßig wäre, hier nun jedes einzelne Stück zu besprechen.

Resümiert man über diese Veröffentlichung, so hat man vor allem eine gelungene CD von Lux Interna, die den Hörern in den USA zeigt, was sie bisher verpasst haben, während der hiesige Hörer einen guten Überblick bekommt, falls seine bisherige Sammlung dieser Gruppe eher spärlich bestückt sein sollte. Schade allerdings ist, dass man die Debüt-EP Truth and beauty and all their severity ganz ausgespart hat. Zwar ist die gute Stunde Musik nicht gerade wenig, aber Kapazität wäre durchaus noch gewesen und Stücke wie Secret Heart of the World hätten sich nicht nur hervorragend in die Zusammenstellung eingefügt, sondern auch den Charakter der Werkschau weiter unterstrichen. Aber auch ohne Titel dieser Veröffentlichung gibt es ansonsten nichts weiter zu beklagen. Eine schöne Zusammenstellung!

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Interview mit Lux Interna (September 2006)

Homepage: www.luxinterna.com
MySpace: www.myspace.com/luxinterna

Text: Marius Meyer