Manfred Maurenbrecher ist für manche ein rotes Tuch. Unangepasst legt der Mitsechziger wieder gekonnt den Finger in die Wunde dieser Republik und dreht ihn genüsslich. Aber nie mit Zynismus, immer mit einer großen Portion Hoffnung und Augenzwinkern, wie etwa der Che Guevara-Verweis auf einem roten Hintergrund. War ja klar, da dieser eine frappierende Ähnlichkeit mit Manfred Maurenbrecher aufweist. Aber wer es wie der Berliner schafft, auf 15 Titel, die 62-Minuten-Grenze zu überbieten und dabei keine Sekunde zu langweilen, der hat immer noch viele Geschichten zu erzählen über Land und Leute.

Schon der Opener Rolle Rolle ist ein Manifest. Sehr angenehm ist, dass man bei Manfred Maurenbrecher nie den erhobenen Zeigefinger zu befürchten hat, den man von deutschen Liedermachern so kennt, aber was heißt schon Liedermachen, wenn man sich die Beobachtungen, die Diskussionsfragmente oder Reportagen näher betrachtet – das ist viel mehr als übliches Texten.

Das geht von Staubsauger, das in unter 3 Minuten alle Fragen beantwortet bis hin zu Wer hat, der kriegt, einem episch langen Song, der auf über 9 Minuten kommt.

Andreas Albrecht (Gesang, Schlagzeug, Percussion), Marco Ponce Kärgel(Gitarre), Tobias Fleischer (Bass), Anja Hawlitzki(Geige), Reka und George Nußbaumer (beide Gesang) veredeln das Rote Tuch und auch wenn das Album wie aus einem Guss klingt, gab es doch so manche Ideen schon Jahre vorher.

Ein wiedermal tolles Album von einem, der nicht müde wird, seine Stimme zu erheben.

Homepage: www.maurenbrecher.com

Text: Dennis Kresse