Setzt man reine Erfolgsmaßstäbe an, so könnte man nun sagen: Marilyn Manson hat seine beste Zeit hinter sich. Als Beispiel kann man unter anderem das M’era Luna-Festival nennen. Gelang es Manson – neben dem berühmten personalisierten Dixi-Klo – damals, das gesamte Festival um drei Wochen nach hinten zu verschieben, um als Headliner auftreten zu können, so musste er sich anno 2014 mit der Rolle des Co-Headliners vor Within Temptation begnügen. Dem Unterhaltungswert seines Auftritts tat dies natürlich keinen Abbruch und man musste sich eingestehen: Der Herr Manson hat es nach wie vor drauf. Mit dem neuen Album The Pale Emperor will er diese Annahme nun ein weiteres Mal untermauern.

Stellen wir gleich mal zu Beginn fest: Das ist ihm definitiv auf The Pale Emperor gelungen. Die Eröffnung des Albums übernimmt Killing Strangers, das gekonnt den Spannungsbogen eröffnet und auf einer Länge von über fünfeinhalb Minuten mit dem Blues flirtet, ohne dabei den typischen Manson-Sound vermissen zu lassen, der sich hier immer weiter aufbaut. Die Stimme ist dabei markant wie immer. In der Folge zieht das Tempo an, Nummern wie Third Day Of A Seven Day Binge haben einen treibenden Charme, ungewohnt ist die Klarheit, die aus diesem Stück spricht. Ein astreiner Rock-Song. Etwas, das auch Marilyn Manson zu Gesicht steht, schließlich wird er selbst wissen, dass Dinge, vor 15 Jahren noch einen Schockeffekt hatten, heute niemanden mehr vom Hocker reißen.

So lässt er auf diesem Album vor allem eines sprehen: die Musik. Und die beherrscht er nach wie vor. Das zeigt er durch und durch, beispielsweise in Stücken wie The Devil Beneath My Feet, einem ebenfalls sehr gelungenen Stück Rock-Musik. Der markante Manson-Sound ist dennoch geblieben, wie man auch in The Mephistopheles of Los Angeles, der sowohl im Gesangsstil als auch im Gitarrensound so klingt, wie seine Fans den Künstler mögen. Man könnte noch weitere Stücke rauspicken, aber der Spannungsbogen gelingt in Gänze und wenn dann am Ende Odds Of Even das Tempo wieder rausnimmt und als bedrohliche Klangkulisse das Album beendet, dann weiß man: Mit Marilyn Manson ist nach wie vor zu rechnen.

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Text: Marius Meyer