Nachdem im vergangenen Jahr das Folkduo Mars sein Debütalbum mit dem Namen Sons of Cain veröffentlichte, erscheint dieses Jahr eine EP auf Vinyl mit insgesamt fünf neuen Liedern, wobei zwei davon, unter anderem der Titelsong der EP, auch auf dem im nächsten Jahr erscheinenden Album Blood is the Food of the Gods erscheinen wird. Dies verwundert wenig, geht es in dem titelgebenden Stück Sacrifice wie zu erahnen ist um rituelle Opfer, wodurch man bereits eine Verbindung sieht. Doch nicht nur das: Mars zeigen ebenfalls, wie man im doch in einem Musikgenre, dass sich in etwa so evolutionsresistent präsentiert wie ein Krokodil, doch noch neue Akzente gesetzt werden können.

Die EP beginnt mit einer Neuinterpretation von Icarus des Projektes Golgatha, welches hier jedoch deutlich rauer und wärmer produziert wurde, was vor allem an den Schellen und Trommeln liegt. Auch der Gesang ist deutlich weniger unterkühlt als beim Original, welches von Patrick Leagas eingesungen wurde. Der Titelsong Sacrifice ist dagegen deutlich martialischer mit zweistimmigen Gesang und zwischen ruhigen und aufbrausenden Momenten schwankt und jedes Mal, wenn der Mantra-artige Refrain „It’s the essence of sacrifice giving birth to that light“ wieder erklingtm schafft es die Platte wirklich, Gänsehaut zu erzeugen. Wie passend fügt sich da die Covergestaltung von Nadine Demmer mit ein, die an vorchristliche Zeiten erinnert: Das Bandlogo aus Holzstöcken und Tierschädeln in einem Wald, in dem alles nur schemenhaft zu sein scheint und Blutspritzern, die optisch nicht Teil des Bildes sind, sondern auf dieses draufgespritzt zu sein scheinen. Dafür leichtet der Boden rötlich, als hätte es an dem Ort bereits einige Opferrituale gegeben.

Mit Northern Cold gibt es eine weitere Neuinterpretation, diesmal von der kanadischen Black Metal-Band Woods of Ypres. Während das Original garstig daherkommt, ist die Version von Mars eher melancholisch und introvertiert, wobei eindrucksvoll bewiesen wird, dass der Text in beiden Fassungen funktioniert, wenn auch auf unterschiedliche Weise, wobei man mit der E-Gitarre im Hintergrund dann doch nochmal auf das Original verweist. Melancholisch und fast zärtlich geht es mit Don’t you ever feel weiter, das nur aus einer Gitarre und leisen Schellen besteht, bis sich gegen Ende ein lautmalerischer Gesang dazugesellt. Den Abschluss macht dann Incognition 1, das dann die größte Überraschung darstellt: Mit Akustikgitarre und Soundscapes sowie einer Flöte beginnt das Stück, bis sich dann einzelne Gitarrendrones dazugesellen, die schließlich in Black-metallischem Geschrammel enden und mit ritueller Perkussion und rituellen Gesängen sowie gegrunztem Gesang, der den Futhark aufsagt. Das Stück zeigt Mars zwar von einer nicht weniger archaischen Stimmung wie vorher, aber dennoch von einer anderen und unerwarteten Seite.

Sacrifice zeigt eine deutliche Weiterentwicklung des Duos, gerade die Black Metal-Einflüsse gepaart mit schamanischen Einflüssen funktionieren sehr gut, weswegen zu hoffen ist, dass so etwas zukünftig weiterhin zu hören ist. Da von der EP jedoch nur 250 Stück existieren sollen, sollte man bei Interesse nicht lange warten, denn es ist zu erwarten, dass diese schnell ausverkauft sein werden.

Text: Tristan Osterfeld