Die Moderne macht es dem Menschen nicht leicht: Es gibt keine einfachen Wahrheiten mehr, die Gesellschaft macht eine Pluralisierung der Lebensstile durch und es gibt zahllose sinnstiftende Angebote für Menschen. Gleichzeitig wird man von der Gesellschaft geprägt und sieht die Welt so, wie man es durch die eigene Sozialisation gewöhnt ist. Häufig bedeutet dies, der Mehrheit nachzulaufen, wie es im titelgebenden Lied des Albums heißt: „I have done what I was ordered I have walked among the sheep.“ Zur gleichen Zeit wird ein apokalyptisches Bild gezeichnet: Menschen werden geschlachtet, die Natur geht zugrunde und lossagen tut man sich von diesem Handeln dennoch nicht.

Dennoch scheint es Alternativen zu diesem Handeln zu geben. „There is a thin red line, between sense and mind, between war and peace“ singt man in Thin red line. Diesen schmalen Grat zu gehen, ist aber dennoch möglich und liegt in der Aufgabe des einzelnen. Andere Aspekte die dem Menschen begegnen werden ebenfalls behandelt, wie Liebe in (It was never the) Darkness, christliche Werte in The hand that loves oder Mythologie in Hymn to Mithras. Auf Heideggers Holzwege wird sich dagegen in Woodpath bezogen, wobei der Holzweg nicht verlassen werden kann. Letztendlich ist man immer nur auf dem Weg, ohne wirklich anzukommen, wie auch The road zeigt. Das alles macht den Menschen zu dem, was er ist, und seine Erlebnisse wirken auf ihn ein, ohne dass er sich wehren kann, heißt es in Memories: „Memories don’t care, if they’re good or evil – they haunt you“

Musikalisch bleibt das Album zurückhaltend: Eine Akustikgitarre und Trommeln und gelegentlich Flöten, die durch Sprachsamples bereichert werden, bilden das Rückgrat des Albums und lassen das Album dem apokalyptischen Folk zuordnen. Mal geht es verträumt zu ((It was never the) Darkness), sakral mit abwechselndem Männergesang (Hymn to Mithras) oder auch mal punkig (Woodpath), was das Album trotz des Minimalismus abwechslungsreich macht.

Man merkt Sons of Cain an, dass es ein ambitioniertes Album ist, thematisch und musikalisch ansprechend. Die Widersprüche scheinen sich nicht abschließend auflösen zu lassen und man bleibt gefangen in der eigenen sozialen Prägung. Mars behandeln viele Aspekte, die auf einen Menschen einwirken. Wie man diese nun miteinander in Einklang bringen kann, bleibt dann Aufgabe des Hörers…

Text: Tristan Osterfeld