„In the beginning there was a rhythm“ sangen The Slits im Jahre 1980 und aus dem Lied stammte auch die Textzeile, die diesem Album den Namen gab. Musikalisch hat man ansonsten jedoch nur wenig mit The Slits gemein, stattdessen nimmt man John Cages Idee, dass Stille nicht die Abwesenheit von Sound darstellt, sondern Stille als Teil des Sounds verstanden werden sollte. Und dieser Stille begegnet man im Laufe des Albums mehrmals, selbst wenn Sound erklingen mag, denn vieles auf dem Album wird erst durch das, was im übertragenen Sinne nicht gesagt wird, nachvollziehbar. Gerade die vielen Brüche und Themenwechsel würden sonst einfach im leeren Raum stehen bleiben.

So fehlt dem Streichorchester direkt zu Beginn in Stills der Bombast, der eigentlich da sein sollte und es wirkt, als würde man Phantomschmerzen empfinden, von etwas, das da sein müsste, aber nicht ist. Ebenso in Everything you fear will end up on the breeze: Elektronisch verfremdetes Meeresrauschen, Uhrenticken und ewig lange Streicher halten das Stück zusammen. Verspielt wie dann Cicero, aber ohne wirklich auf einen Höhepunkt zuzulaufen, stattdessen bleibt es bei ein paar Klaviertönen, zwischen denen die Spannung kaum auszuhalten ist. Rituell beginnt Toms, um dann synthetische Klänge ertönen zu lassen und dann in Richtung Industrial zu gehen, wobei auch verzerrte Gitarren erklingen, dann Stille. Alles bleibt nebeneinander stehen, nichts fügt sich, der Hörer muss sich selbst einen Reim darauf machen. Apokalyptisch dagegen I am made of endless hours, doch das Warten auf das Unvermeidliche zieht sich ins endlose. Der Titelsong scheint dann völlig im Nebel zu liegen: Über zehn Minuten Gitarrenriffs, Störgeräusche, Soundscapes und Orientierungslosigkeit und zum Ende noch einmal Stampfgeräusche und ein kurzen Piepen, dass das Ende des Albums verkündet.

Wirklich vorbei ist es dann aber doch nicht, denn im Kopf laufen die Muster, die auf dem Album angebahnt wurden, weiter, wodurch das Album mit dem Ende seiner Spielzeit doch nicht vorbei ist. Man denkt über das Gehörte nach, die Stille danach fügt sich zur Erweiterung, die erst nach weiteren Minuten zu Ende geht. Silence is a rhythm too, ja, das mag sein, auch wenn das Album nur selten rhythmisch wird. Aber das ist, wenn man sich das Album als Gesamtbild ansieht, irrelevant.

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Text: Tristan Osterfeld