Wenn der vielbeschäftigte Multiinstrumentalist, Plattenproduzent und Nick Cave-Protegé Mick Harvey die Lücken in seinem prallvollen Terminkalender dafür nutzt, um ein Soloalbum einzuspielen, dann beschäftigt er sich eben am liebsten mit ganz elementaren Dingen. Schließlich ist die Zeit zu kostbar, um sich halbgaren Theorien und Ansichten zu widmen. Somit verwundert es kaum, dass Four (Acts Of Love) über die Liebe in all ihren Formen und Hintergründen über drei Akte hinweg berichtet. Zwischen kratzbürstigen Jazzarrangements und sanften Gitarrenflächen, die in ihrem sakralen Klang beinahe wie Ambient klingen, pendelnd, beweist Harvey abermals, dass er sich wahrscheinlich in fast jedem Genre zuhause fühlt.

Bereits zu Beginn gibt sich Harvey ungewohnt zahm und klingt auf Praise The Earth (Wheels Of Amber And Gold) beinahe wie ein künstlerisch nicht ausgebrannter David Bowie. Es geht über makabre Arbeiten wie Midnight On The Ramparts, die auch aus einem Dark Western-Soundtrack stammen könnten, zum krummtaktigen Summertime In New York. Auch widmet er sich im weiteren Verlauf immer wieder Kompositionen anderer Künstler. Stammt der verquere Popsong Glorious aus der Feder von PJ Harvey (nicht verwandt oder verschwägert), dessen bahnbrechendes Album Let England Shake er produzierte, widmet er sich im weiteren Verlauf auch gerne den großen Meistern Van Morrison und Roy Orbison. Vor allem Morrisons The Way Young Lovers Do unterzieht Harvey eine radikale Erneuerung, streicht herkömmliche Rhythmusinstrumente komplett und vertont den romantischen Text fast als Predigt, von verhallten Gitarren, Orgel und knarzigem Cello beeindruckend begleitet. Aber auch Orbisons Wild Hearts wird zu einer melancholischen Gänsehautballade, die zu Tränen zu rühren vermag.

Im weiteren Verlauf greift Harvey seine musikalischen wie textlichen Themen immer wieder auf und spinnt einen konstanten roten Faden durch das Album. Opener Praise The Earth kehrt als ausschweifender Abschlusssong (mit guten vier Minuten der mit Abstand längste der vierzehn Stücke) zurück, von Where There’s Smoke gibt es ebenfalls eine Reprise. Mit solchen gekonnten Kunstgriffen vermag Harvey Four (Acts Of Love) noch geschlossener wirken zu lassen, als der verquere Art Pop sowieso schon klingt. Wer auf Bowies letztem Album etwas zu wenig Tiefgang fand oder Anhänger des großen Popzauberers Tom Waits ist, sollte, ach was, muss sich näher mit Harveys Musik beschäftigen, bietet er seinen Hörern doch einen faszinierend fantastischen Klangkosmos an.

Homepage: www.mickharvey.com
Facebook: www.facebook.com/MickHarveyOfficial

Text: Fabian Broicher