Maurice Rodgers gehört seit Jahrzehnten zu den gefragtesten Session-Musikern in Sachen Blues. Unter seinem Künstlernamen Mighty Mo Rodgers bereichert er seit den 1960er Jahren als Songwriter, Produzent und Musiker die Szene. Erst 1999 erschien sein Solo-Debütalbum, da war Mo Rodgers bereits 57 Jahre alt. Doch seitdem bringt der Künstler aus East Chicago in Indiana dem Hörer seine musikalische Welt näher. Am 24. Oktober erschien mit A Mississippi Blues Tale: Mud ’n Blood das siebte Album des lange unbekannten Künstlers bei Dixiefrog.

Dass Mo Rodgers einen pädagogischen Nutzen mit seinem musikalischen Solo-Treiben verbindet, macht sein Eingangszitat klar. Mit den Worten William Faulkners, „To understand the World, you first must understand a Place like Mississippi“, eröffnet der Altmeister seine frei übersetzt „Blut, Schweiß und Tränen-Geschichten“ aus dem schwülen Süden. Mighty Mo reist in diesem gespenstischen, musikalischen Trip in den Gedankenspuren eines Onkels, der mehr als zwölf Jahre Sträfling in einer Chain Gang war sowie seines Vaters, der zwanzig Jahre nach dem Ende der Sklaverei geboren wurde.

Mighty Mo studierte klassische Piano-Musik, doch erinnert sein rauchiger, schmutziger Blues eher an die Bands, die der Filius in Vaters Nachtclub zu hören bekam. Otis Redding und Willie Dixon zählt Mighty Mo unverkennbar zu seinen Einflüssen, ebenso wie das legendäre R&B/Soul-Duo Sam and Dave, die den traditionellen Blues mit Tempo und Rock’n’Roll aufluden. Und so zieht Mighty Mo alle Register des Genres mit großem Können und inbrünstiger Leidenschaft.

Sein dunkel-heiserer Gesang wandert als Gospel-Gebet, getragen von tiefen Basstönen und dem brillanten eigenen Orgelspiel, gen Blues-Himmel, der natürlich nichts anderes als eine camouflierte Hölle ist. Davon erzählen die swingenden R&B-Stücke, die mit hüpfenden Bässen, flitterndem Piano und unter Einsatz von Bluegrass-Instrumenten einen Mighty Mo erleben, der sich genüsslich singend über die Gefahren und Verführungen des Lebens auslässt.

Diese Musikstunde in Sachen Blues lässt man sich sehr gern gefallen. Mighty Mo zeigt sich als meisterhafter Könner des gesamten Spektrums des Genres. Er versteht es, in die Tiefen des Gefühls zu tauchen und doch den Kopf stets über Wasser zu halten. Und zelebriert einen feierlich schmutzigen Blues mit viel Schmiss und einem funky Sound, der mitreißt. Es ist sehr angemessen, diesem Vollblutkünstler endlich die Aufmerksamkeit zu schenken, die er verdient. Es lässt sich kaum ein besserer Fremdenführer durch das musikalische Mississippi denken. Zum Ende seines neuen Albums nimmt sich der Meister gar noch Zeit, einige Höreranfragen zu beantworten. Lässig, dieser Blues-Man!

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Text: Mirco Drewes