Sachbuch-Autor Hank Lewis (gesprochen von Sascha Rotermund) leider seit dem Tod seiner Eltern unter einer Schreibblockade – und dem nicht stubenreinen Familienhund Buster. Der ist auch dem unbemerkt eingezogenen neuen Nachbarn Elan Whisk (Jan-David Rönfeldt) derart ein Dorn im Auge, dass an gute Nachbarschaft schnell nicht mehr zu denken ist. Im Gegenteil: Whisk erweist sich als sehr bedrohlich und rabiat. Lewis setzt seine Tante Grace Anderson (Reinhilt Schneider) davon in Kenntnis und gemeinsam stellen sie Nachforschungen zu Whisk an. Was sie dabei heraus finden, wird zunehmend unheimlicher, denn Whisk weiß nicht nur Dinge, die er eigentlich gar nicht wissen kann, er ist obendrein den Behörden völlig unbekannt.

Zum Auftakt der Reihe Mindnapping greifen Marcus Görner und Patrick Holtheuer die bekannte Geschichte vom bösen Nachbarn auf, die wir in des Wortes doppeltem Sinne irgendwie alle kennen. Denn wer hat nicht schon einmal Streit mit dem Typen von nebenan gehabt und sich zumindest ausgemalt, wozu dieser Stinkstiefel ganz bestimmt nicht alles fähig ist?

Aber auch sonst ist Auf gute Nachbarschaft nicht die Neuerfindung des Rades. Versierte Krimi-Fans können den Ausgang der Story durchaus vorausahnen. Das macht aber nichts, weil es genau das ist, was den Reiz der Folge ausmacht. Die Hörer wissen immer ein klein wenig früher als Hank Lewis (oder die anderen Personen in der Geschichte), was geschehen wird oder geschehen ist. Das Mindnapping-Debüt ist ein versiertes Spiel mit Schein und Sein, in dem jede zur Gewissheit werdende Ahnung die Dramatik steigert, weil damit das Schicksal des Protagonisten immer unausweichlicher wird. Man mag das Ende ahnen, an der Beklommenheit bei seinem Eintreten ändert das nichts.

Die Sprecher in Auf gute Nachbarschaft glänzen mit wunderbar natürlich gesprochenen, fließenden Dialogen. Konrad Halver als Nachbar Montgomery Brewster spielt sehr schön mit Rotermund und Rönfeldt zusammen. Selbst die Nebenrollen sind mit Detlef Bierstedt (als Tierarzt Dr. Gallun), Stephan Chrzescinski und Gordon Piedesack (als Officers August und Decker) hochkarätig besetzt. Heimlicher Star des Hörspiels ist aber Reinhilt Schneider, weil sie die Verkörperung der Ahnungen der Hörer ist. In Kombination mit der Musik von Dirk Hardegen ergibt sich daraus ein Psychothriller-Erstling, den man trotz aller bekannten Elemente sehr gut hören kann.

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Text: Mario Nowak