Der zwölfjährige Timothy (gesprochen von Philipp Draeger) zieht mit seiner Mutter, der Altenpflegerin Alice (Kerstin Draeger) bei der schwer kranken und bettlägerigen Miss Clawfield (Luise Lunow) ein, die abgeschieden auf einem Anwesen in unmittelbarer Nähe des Mount Rushmore lebt. Außer von ihrem undurchsichtigen Neffen Steve (Uwe Teschner) erhält die alte Dame keinen Besuch. Einzig der Lakota John (Holger Löwenberg) kümmert sich mangels Alternative um Haus und Garten. Er ist es auch, der Timothy erzählt, dass die Black Hills für sein Volk ein Heiligtum sind und jedem Unheil droht, der sie entweiht.

Ja, dieser Timothy ist schon ein bemerkenswertes Kind. Er hat – zumal für einen Zwölfjährigen – eine wirklich erstaunliche Beobachtungsgabe und kann nicht nur alles, was er sieht, sondern auch seine Gefühle sehr präzise beschreiben. Dankenswerterweise ist er mit Philipp Draeger altersgerecht besetzt; kein Erwachsener quält sich und die Hörer, indem er seine Stimme gekünstelt eine Oktave höher presst – wie überhaupt sich die Besetzung von Mindnapping 16 wieder einmal sehen bzw. eben hören lassen kann.

Ansonsten ist die Geschichte von Simon X. Rost mal wieder pickepacke voll mit Wissen, Details, Infos, Parallel- und Nebenhandlungen. Das schafft einerseits ein extrem dichtes und detailliertes Setting und viel Atmosphäre. Es animiert zudem durchaus dazu, den einen oder anderen Fakt einmal nachzurecherchieren. Andererseits wirkt die Folge genau dadurch bisweilen etwas überfrachtet. Außerdem dürfte ein einigermaßen versierter Krimi-Fan dennoch kaum Probleme haben, die vierte Wand einzureißen und die alles entscheidende Frage nach dem »Who dunnit« zu beantworten.

Diese steht denn bei Mindnapping 16 denn auch nicht unbedingt im Vordergrund. Die Folge ist sehr gut gespielt und packend inszeniert. So gibt es wieder diverse Szenen, die ganz ohne Worte auskommen und allein durch perfekte Vergeräuschung einen turbulent-rasanten Film im Kopfkino ablaufen lassen. Vier Köpfe ist eine konfrontative Episode, die geschickt mit dem Unbehagen der Hörer spielt, dass das Böse genau da lauern könnte, wo man es am wenigsten vermutet bzw. vermuten möchte.

Brillant an Mindnapping 16 ist darüber hinaus die feine, subtil vorgetragene Gesellschaftskritik. Die Folge zeigt nicht plakativ, aber dennoch deutlich auf, wie einfach es doch ist, Menschen mit ein bisschen Höflichkeit, Hilfsbereitschaft und zur Schau getragener Verehrung und Loyalität zu manipulieren, wenn man weiß, was sie hören wollen. Eine Schwäche hat die Folge allerdings auch: Die Auflösung gerät am Ende etwas zu langatmig.

Vier Köpfe, die 16. Folge aus der Reihe Mindnapping, ist am 13. Juni erschienen.

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Text: Mario Nowak