Die Teenager Warren (gesprochen von Daniel Welbat), Brad (Jannik Endemann) und Ryan (Tammo Kaulbarsch) wollen einen Trip unternehmen. Um die »Bräute« Lissy (Julia Fölster) und Katie (Linn McKenzie) zu beeindrucken, entschließen sie sich zu einer Mutprobe im alten Oakley-Haus. Alle Warnungen ignorierend betreten sie es – und kommen nicht mehr heraus. Wie endet ein klassischer Teenie-Slasher? – Richtig, am Ende gehen alle drauf. Da dieser Ausgang ohnehin klar ist, beginnen Patrick Holtheuer (Idee und Regie) und Marcus Görner (Idee und Buch) ihre Geschichte ohne viel Federlesens gleich in der Pathologie von Dr. Reading (wunderbar makaber und lakonisch gesprochen von Reent Reina). Dieser bekommt von den bereits aus Mindnapping 1 bekannten Officers August (Stephan Chrzescinski) und Decker (Gordon Piedesack) gleich vier Leichen auf den Tisch, darunter die des Obdachlosen Paul (Martin Sabel), der grausam zugerichtet wurde.

In Rückblenden erfahren die Hörer anschließend nach und nach, was sich im angeblichen Geisterhaus des alten Oakley zugetragen hat – und das ist krass. Natürlich ist die Konstellation sattsam bekannt: Einer der Jungs ist obercool, einer nicht ganz so cool und einer ein Streber; eines der Mädchen ist die hübsche Zicke und eines patent. Aber so stereotyp diese Charaktere auch sein mögen, auch sie müssen erst einmal mit Leben gefüllt werden. Das gelingt den Sprecherinnen und Sprechern ganz hervorragend. Die Dialoge sind flüssig und natürlich, das Zusammenspiel stimmig.

Vor allen Dingen aber gehen alle fünf in die Vollen, was die Darstellung der Emotionen angeht. Da wird gekreischt, geschrien, gestöhnt und geröchelt, dass es eine Pracht ist – und einem eiskalte Schauer über den Rücken jagt. Einen Erzähler gibt es in dieser Folge nicht, also werden Angst, Panik und Entsetzen allein über Stimmen und Geräusche transportiert. Dabei bewahrheitet sich einmal mehr, dass die menschliche Vorstellungskraft viel mehr Gefühle auslöst, als es eine noch so drastische explizite Darstellung könnte. Mindnapping 3 nutzt diesen Umstand weidlich aus und setzt den Hörern »einfach nur« die Sounds vor. Erklärt wird nichts oder erst mit Verzögerung. Die Fantasie erledigt trotzdem unbarmherzig den Rest.

Dennoch ist »Der Trip« keine reine Kreisch-Orgie. Dafür sorgen schon allein die Gosejohann-Brüder mit ihrem Gastauftritt, und auch John Ment als Radiomoderator hat einen netten kleinen Seitenhieb auf Lager. Aber auch sonst ist die dritte Mindnapping-Folge nicht bloß eine Neuauflage des Themas »Übernachtung im Geisterhaus läuft aus dem Ruder«. Spätestens die Auflösung am Schluss, wenn alles erklärt wird, zeigt, wie viel Hirnschmalz in der Folge steckt. »Der Trip« ist ein Schocker der intelligenten Art.

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Text: Mario Nowak