Coraline (gesprochen von Mia Diekow) fährt zusammen mit ihrem neuen Freund Ron (Daniel Welbat), ihrem platonischen besten Freund Eugene (Leonhard Mahlich) und dessen Freundin Ashley (Merete Brettschneider) in die Ferien. Aber schon beim ersten Halt geschieht Merkwürdiges: In einer Tankstelle hängt ein Steckbrief von – Ron! Doch damit noch nicht genug, denn kurz darauf streikt der Wagen und die Vier sind gezwungen, mitten im Nationalpark Great Smoky Mountains zu übernachten. Als einzige Unterkunft kann ihnen der Parkwächter (Wolf Frass) nur die verlassene Hütte eines Selbstmörders anbieten – unangenehm besonders für Coraline, denn deren Vater hat einst Suizid begangen.

Okay, die Konstellation ist hinlänglich bekannt: Zwei ungleiche Paare gehen zusammen auf große Fahrt, von der von Anfang an klar ist, dass es eine ohne Wiederkehr wird. Coraline ist die sensible, nette junge Frau mit traumatischer Vergangenheit, Ron eine eher grobschlächtige, oberflächliche Sportskanone, die so gar nicht zu ihr passen will. Eugene ist der nette, duldsame Nerd, seine Partnerin Ashley die ewig nörgelnde Tussi, die zu blöd ist, im Auto die Karte zu lesen. Eigentlich, denken wir alle sogleich, ist das just die falsche Kombination. Eigentlich sollte der treusorgende Eugene mit der süßen Coraline zusammen sein und der Macho Ron mit der Zicke Ashley. Dann wäre alles gut.

Ist es aber nicht, und genau aus diesem Kontrast und Konflikt bezieht die fünfte Folge Mindnapping ihre Dynamik. Dank gut gemachter Einstiegssequenz, in der die Hauptpersonen zügig vorgestellt werden, ist man ratzfatz drin in der Story, die danach ebenso flott weitererzählt wird. Gesprochen und gespielt ist das Ganze brillant: Nerd Eugene drückt sich gewählt und verschachtelt aus, Sportler Ron hingegen cool und zünftig, bei Zicke Ashley kann es auch schon mal derb werden und nur die liebe Coraline, die ist eben immer lieb und konziliant. Das alles wirkt aber nie bemüht oder zu dick aufgetragen, weswegen die Dialoge einfach genau so auch in der Realität vorkommen könnten. Vor allem aber entziehen sich die Charaktere dadurch einer finalen Einordnung. Keine der Figuren ist nur sympathisch oder nur unsympathisch, vielmehr haben alle ihre kleinen, allzu menschlichen Makel, auf denen sie nur zu gern herumreiten.

Leider hindert alles schauspielerische Können den Bösewicht am Ende dann dennoch nicht daran zu übermimen – was mich zu den Schwächen dieser Mindnapping-Folge führt: Im Gegensatz zu den anderen Hörspielen aus der Reihe ist die Geschichte von Buchautor Carsten Steenbergen diesmal doch arg konventionell. Es fehlt der spezielle Pfiff, der die anderen Episoden auszeichnet; die Story ist recht vorhersehbar, wenn auch der Schluss überraschend düster ausfällt. Mindnapping 5 kratzt leider an der zuvor selbst sehr hoch gelegten Messlatte – locker, flockig und unterhaltsam ist die Folge allemal, aber die »Ach so!«-Effekte der vorangegangenen Episoden gehen ihr ab.

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Text: Mario Nowak