Das Fressen und Gefressenwerden der Natur. Das Überleben des Größeren und Stärkeren. Ob die tierischen Jäger, die nach lebendigem Fleisch Ausschau halten müssen, um satt zu werden, Reuegefühle besitzen? Mariana Ricardo und Francisca Cortesão alias Minta And The Brook Trout scheinen mit Darwin nicht unbedingt viel anfangen zu können, da sie, wenn man dem liebevollen Cover von Olympia trauen darf, diese Frage mit einem klaren ‚Ja’ beantworten würden. Auch auf der Rückseite und der Innenhülle sind weinende Tiere zu sehen. Melancholische Bilder, passend zu den nachdenklichen, stillen Tönen der zehn Songs.

Der Indie-Folk aus Portugal überzeugt vor allem durch seine außergewöhnliche Instrumentierung. Viele Stücke werden von Ukulele dominiert, wie im Opener Eggshells. In anderen Songs kommt eine wunderschöne Pedal Steel zum Einsatz, durch die man fast in Versuchung käme, Olympia als Americana-Album zu bezeichnen – kämen die beiden Frauen nicht aus Lissabon. Im hymnischen At Your Will, das sich durch eine positivere Grundstimmung vom Rest etwas abhebt, jubilieren Trompete, Posaune und Saxophon. Und die erste Single Falcon besitzt nicht nur eine unwiderstehliche, fast anrüchige Melodie, sondern klingt obendrein wie ein Outtake des Buena Vista Social Club.

Nicht mal eine halbe Stunde dauert Olympia – dafür klingt jedoch jede Sekunde so intensiv und gefühlvoll, wie die davor. Ein beschauliches, uriges Album haben die beiden Künstlerinnen mit ihrer Band abgeliefert, haben die große Geste im Kleinen gesucht und gefunden und klingen dabei rührend natürlich, als hätten sie sich für die Aufnahmen gar nicht verstellen müssen. Wer die ruhigeren Momente von Wilco schätzt und den frühen Neil Young liebt, den dürfte Olympia mehr als nur ansprechen.

Homepage: www.minta.me
Facebook: www.facebook.com/mintamusic
Twitter: www.twitter.com/mintamusic

Text: Fabian Broicher