„Uns Udo“ hat den Deutschrock erfunden, das ist nun mal so. Und seit seinem Comeback im Jahr 2008 ist er absolut verdientermaßen wieder in aller Munde. Sei es durch das Album Stark wie zwei oder durch das jetzt schon legendäre MTV Unplugged-Konzert in Hamburg, wo Udo Lindenberg eindrucksvoll bewies, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört und dass auch die jungen Kollegen ihren Udo immer noch verehren und es als Würdigung empfanden, mit dem Urgestein auf ein und derselben Bühne zu rocken. Songs mit Clueso, Inga Humpe oder Jan Delay, die seine Lieder mit ihm sangen, sorgten für eine im Anschluss überall ausgebuchte Deutschland-Tournee.

Nun erscheint Mit Udo Lindenberg auf Tour – Deutschland im März 2012 – Ein Roadmovie, eine DVD/Blu-ray, die einen Einblick in die Tourdurchführung des lindenbergschen Trosses gibt. Gedreht wurde der Tourfilm von niemand geringerem als Hannes Rossacher, der mit Rudi Dolezal als das Maß aller Dinge im deutschsprachigen Musikdoku-Business gilt.

Es gibt einiges zu erfahren, über den Mann, der auch unsere Sprache mitgeprägt hat, durch Sprüche wie Alles klar auf der Andrea Doria oder das genuschelte Keine Panik, die wie auch seine Texte in den Sprachgebrauch übergegangen sind. Dass der tatsächlich auch abseits der Bühne so ist, erzählen seine Kollegen, Bandkollegen, Angehörige und Freunde, die ein Portrait zeichnen, das voll ist von Anekdoten ist. Stefan Raab erzählt die Geschichte, als Udo in New York zu einem etwas übereifrigen Kellner sagte, „No flexibility in Little Italy“ oder Jan Delay, der im typischen Lindenberg Tonfall sagt „Ein Ruck muss durch den Sack gehen“ und damit einen typischen Udo-Spruch macht.

Ben Becker, Joachim Krol, Peter Lohmeyer, aber auch die Bandmitglieder wie Steffi Stephan, Jean-Jaques Kravetz oder Techniker, Tourmanager und Maskenbildner schildern, wie es ist, mit ihrem Udo zu arbeiten. Die Show, die optisch und musikalisch ein Highlight war, wird unter die Lupe genommen und auch die Artisten, die die Show weiter aufwerteten, kommen zur Sprache.

Wenn die Schwester Lindenbergs über den Tod, des wie Udo auch, als Maler tätigen Bruders Erich spricht oder die Fotografin und Lebensgefährtin des Sängers, Künstlers und Schriftstellers, Tine Acke, meint, dass Udo auch nicht immer so locker ist, wie er auf die Leute wirkt, dann fügen sie dadurch ein weiteres Stück im Bild von Udo hinzu.

Ein wirklich sehr intimes Porträt über einen ganz Großen, der die Schönheit der deutschen Sprache als erster in den Rock’n’Roll brachte. Danke dafür – und darauf einen Eierlikör!

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Homepage: www.udo-lindenberg.de
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Text: Dennis Kresse