Als Marc de Backer vor zwei Jahren mit Mongolito sein Debüt veröffentlichte, ließ er die Musik ausschließlich für sich sprechen. Informationen zur Musik oder zu dem Projekt gab es kaum. Dazu passen auch seine Auftritte, bei denen er stets mit Maske auf einem Stuhl sitzend mit einem Effektgerät obskure Töne aus seiner Gitarre herausholt. Musikalisch wird der düster-psychedelische Weg des Debüts beibehalten, allerdings schwankt Le maudit deutlich weniger als noch der Vorgänger. Stattdessen steigert man sich über acht Lieder zu einem unheilvollen Höhepunkt, der dann fast auch so etwas wie Songstrukturen annimmt, auch wenn man auf dem Weg immer wieder durch surreale Welten zu wandern scheint.

Der Opener Maudit! enthält wabernde Gitarren und verzerrte Kinderstimmen, die an einen schlechten Drogentrip erinnern. 10 000 Midnights ago dagegen arbeitet mit Drones und einzeln gezupften Saiten, wobei alles in sich zu verschwimmen scheint. Im Hintergrund sind zudem Orgeltöne zu hören, die dem ganzen noch eine sakral-okkulte Grundstimmung verleihen. Darauf ändert sich die Stimmung schlagartig. Bis auf die verschwommene Wahrnehmung hat Nurse nur wenig mit den zwei vorigen Liedern gemeint und wandelt in spacigen Gefilden, die mit quietschigen und langen Gitarren aufwarten. Melanchoholia wechselt dann Richtung Desert Rock und hätte auch aus einer verschollenen Jam Session von Jimi Hendrix stammen können mit Chören im Hintergrund. Patronella wird dann auch wieder spaciger, während Shame wieder in Richtung Desert Rock geht und vertrackte Gitarrensoli aufweist. Die Gitarrensoli scheinen dann einfach in Le venin übernommen worden zu sein, wobei im Hintergrund ein Hallen zu vernehmen ist. Abschließend gibt es mit Mongo’s maggot brain dann auch ein richtiges Lied mit Schlagzeug und Gitarren, stammt aber aus der Feder von Funkadelic, jedoch kann das Cover mehr als überzeugen und treibt den Hörer weiter auf einem Trip durch die Wüste Richtung Verdammnis.

Le maudit zeigt wie morbide und düster doch psychedelische Musik sein kann und in welche Abgründe sie führen kann. Wenn jemand wirklich mal geglaubt haben soll, dass Rockmusik ein Werk des Teufels wäre, dieses Album käme dieser Vermutung noch am nächsten.

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Text: Tristan Osterfeld