Das Leben von Bauleiter Nick Zabel (gesprochen von Tobias Kluckert) könnte schöner kaum sein. Beruflich ist er mit der Firma seines verstorbenen Schwiegervaters erfolgreich und nun erwartet auch noch seine Frau Chiara (Eva Michaelis) ein Kind. Darüber kann Zabel sogar die Nachstellungen seines ehemaligen Poliers Lutz Neumann (Oliver Michaelis) vergessen. Doch dann finden Arbeiter (Horst Kurth und Tim Caspers) auf einer Baustelle am Leipziger Augustusplatz eine Leiche. Wie Hauptkommissarin Scholz (Elga Schütz) und ihr Kollege Vogler (Robert Missler) schnell herausfinden, handelt es sich dabei um Chiara Zabels verschollene Schwester Eva Ross (Katrin Hess).

Sie wurde offensichtlich lebendig eingemauert – und weil die DNS-Untersuchung ergibt, dass sie von ihrem künftigen Schwager schwanger war, ist Zabel unversehens der Hauptverdächtige in einem Mordfall. Zwar kann ihn sein Anwalt Dr. Karsten Ehrhardt (Norbert Langer) bei der Polizei rauspauken, aber dann tritt ein Erpresser auf den Plan. Der Unbekannte entführt Chiara Zabel, mauert auch sie lebendig ein und fordert von Nick Zabel, den Mord an Eva Ross zu gestehen. Zabel sieht nur noch eine Chance: Er will seine Frau auf eigene Faust befreien und seine Unschuld beweisen.

Spätestens seit Edgar Allan Poes The Cask of Amondillado ist die menschliche Urangst, lebendig begraben zu werden, ein Klassiker in der Literatur – was Wunder also, dass sie auch in Mord in Serie 14 noch bestens funktioniert. Buchautor Markus Topf greift jedoch nicht nur dieses Motiv auf, er mischt es auch gekonnt mit anderen, moderneren Themen der Kino-Populärkultur. So ist Eingemauert letztlich eine interessante Mixtur aus Krimi, Verfolgungsjagd und Verwirrspiel. Die Möglichkeit der Twists und Wendungen wird dabei fast maximal ausgereizt. Im Kopf entstehen auf diese Weise Bilder, die an Dr. Kimble »Auf der Flucht« erinnern oder an Tarantinos C.S.I.-Doppelfolge.

Dennoch hat die Folge zur Mitte hin durchaus ihre Längen und in einzelnen Szenen produktionstechnisch ihre Schwächen. Wenn sich beispielsweise Nick Zabel mit seinem verhassten Ex-Angestellten Lutz Neumann prügelt, fällt auf, dass Stimmen und Geräusche nicht unbedingt eine Einheit bilden. Auch einigen Texten merkt man für meine Begriffe an, dass sie solo eingesprochen wurden. Hinzu kommen kleinere Logikfehler, auf die an dieser Stelle jedoch nicht näher eingegangen werden kann, ohne zu spoilern.

Überhaupt dauert es eine Weile, bis einzelne Figuren ihren Freischwimmer gemacht haben. Die Hauptkommissarin: Knurrig und tough. Der Anwalt: Aalglatt. Dazu gesellen sich gelegentlich Sprüche vom Kaliber: »Nimm dies, du Arsch!« (und anschließend wird sich wieder gesiezt) oder: »Da freut sich aber einer, mich zu sehen! Er ist schon ganz hart!« Das wirkt schon recht platt. Gut nur, dass die Sprecherinnen und Sprecher – oft postwendend – Gelegenheit bekommen, sich und ihre Figuren auch anders zu zeigen. Allein wie Katrin Heß die Hörer gleich zu Beginn mit auf einen Horrortrip aus Verwirrung, Verzweiflung und Irrsinn nimmt, wie sie später fließend vom verrucht-unbedarften »Luder« zur tief verletzten, weinenden Geliebten übergeht, ist aller Ehren wert. Auch Norbert Langer bekommt Gelegenheit zu beweisen, dass er weit mehr kann als Draufgängertypen vom Schlage Thomas Magnum.

Die Figuren haben also häufig gewissermaßen eine vordergründige, klischeehafte Seite, in die sie auch immer wieder zurückgedrängt werden, bekommen aber mit der Zeit auch immer mehr Tiefe. Nick Zabel etwa ist alles – treusorgender Ehemann, egomaner Fremdgänger, verzweifelter Flüchtender, wahnsinniger Amokläufer und betrogener Betrüger.

Dass Eingemauert in Leipzig spielt, ist übrigens ein netter kleiner Randaspekt, der mich als Leipziger natürlich gleich hat aufmerken lassen. Leider trägt es aber nicht sonderlich dazu bei, das Hörspiel authentischer zu machen. Etwas mehr als die reine Erwähnung des Augustusplatzes und des Stadtteils Lindenau hätte es dazu schon gebraucht.

So bleibt als Fazit, dass Mord in Serie 14 ein routiniert-solides Krimihörspiel ist, dem vielleicht etwas der Punch fehlt, zumal nach dem eigentlich gut gemachten und rasanten klassischen Showdown eben noch ein Kapitel und noch ein Kapitel kommt. Als Zugabe gibt es aber immerhin noch den Bonus-Track A Brighter Day von Vanguard.

Homepage: www.mord-in-serie.de
Facebook: www.facebook.com/ContendoMedia

Text: Mario Nowak