In Dresden geht ein ausgesprochen rücksichtsloser Brandstifter um. Da trifft es sich gut, dass der stellvertretende Bürgermeister der Stadt, Georg Albrecht (gesprochen von Henry König), in Person seines Patenkinds Livia Krämer (Nana Spier) eine fähige Brandermittlerin kennt. Zusammen mit den Feuerwehrleuten Christian Marx (Hanno Friedrich) und Lars Wolter (Oliver Böttcher) macht sich die junge Kriminologin sprichwörtlich mit Feuereifer an die Arbeit. Ihr erster Verdächtiger ist der gerade erst aus der Psychiatrie entlassene Pyromane Dario Simonides (Santiago Ziesmer). Doch schnell stellt sich heraus, dass sie Brände nicht das Werk eines Besessenen sind, sondern politische Motive dahinter stecken.

Nana Spier und Hanno Friedrich als ungleiches Ermittlerduo bringen neuen und frischen Wind in die Reihe Mord in Serie. Das Geplänkel zwischen den beiden ist zwar nicht übermäßig geistreich und originell, aber immerhin so kurzweilig, dass es der ansonsten sehr biederen Geschichte mehr Pepp verleiht. Die Folge »Feuerengel« setzt stark auf Effekte, was die inhaltlichen Schwächen der Story – samt des meiner Meinung nach vorhersehbaren Endes – allerdings nur bedingt ausgleichen kann.

Buchautor Markus Topf und Regisseur Christoph Piasecki versuchen es in dieser Episode merklich mit fernsehtauglicher Action. Das Problem dabei ist nur, dass etwa eine wilde Motorrad-Verfolgungsjagd im Film vielleicht ein Selbstgänger ist. Es genügt jedoch nicht, die sattsam bekannten Geräusche, Flüche und Kommentare zu isolieren und darauf zu hoffen, dass allein das im Kopf die nötigen Bilder erzeugt.

Überhaupt findet »Feuerengel« oft nur plumpe Lösungen der Darstellung. Fängt ein Mensch Feuer, so schreit er: »Meine Kleidung! Sie brennt!« Taumelt ein Verbrannter auf die Straße, so rufen Passanten: »Ihm hängt die Haut in Fetzen herunter!« – Bei allem Verständnis dafür, dass in einem Hörspiel nun einmal mangels Bildern viel explizit gesagt werden muss: Da hätte ich mir definitiv subtilere Lösungen gewünscht.

Auch die Vergeräuschung in diesem Hörspiel ist eher dürftig. In der Motorradwerkstatt ist gerade einmal eine einsame Ratsche zu hören und wenn in Dresden brennende Häuser einstürzen, geht dabei ohrenscheinlich in erster Linie massig Glas zu Bruch.

So wird denn in »Feuerengel« unterm Strich viel, laut und schrill geschrien. Die holzschnittartigen Texte in der überfrachteten Geschichte haben bisweilen die Qualität von: »Das war ein Sniper – ein Scharfschütze! Er hatte keine Chance!« Die Gelegenheit, etwa die Figur des Dario Simonides zu einem bedrohlich-undurchsichtigen Spieler in der ganzen Sache aufzubauen, wird hingegen verstreichen lassen. Daher bleibt als Fazit leider nur zu sagen: »Feuerengel« ist gewissermaßen das Alarm für Cobra 11 unter den Hörspielen: Viel Krach, viel bumm, viel zurechtgebogen und übers Knie gebrochen, aber wenig wirkliche Spannung, wenig Subtiles. Das ist schade, denn das habe ich nicht nur in anderen Thriller-Reihen schon wesentlich besser gehört sondern auch innerhalb der Reihe Mord in Serie selbst.

Bonus-Song ist diesmal A Certain End von Vanguard.

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Text: Mario Nowak