Zugegeben: Wenn ich gewusst hätte, dass Mother’s Cake unter Progressive Rock firmieren (sagt zumindest die deutsche Wikipedia), dann wäre ich von Love the Filth wohl eher enttäuscht gewesen, weil ich mir unter Prog eben doch etwas anderes vorstelle. Da ich es aber nicht wusste und mir das zweite Studioalbum der österreichischen Band völlig unvoreingenommen angehört habe, bin ich recht angetan davon. Die sieben Titel auf Love the Filth klingen nämlich nach dem klassischen, teils psychedelischen Rock von Led Zeppelin und Deep Purple im moderneren klanglichen Gewand – und es gibt ja durchaus schlechtere Referenzen. Außerdem hatten auch diese Bands ja ihre proggigen Seiten, mit ausufernden Langfassungen vor allen Dingen live.

Wer Mother’s Cake also irgendwo bei den Altmeistern des Rock verortet, kommt auf seine Kosten. Das Trio liefert einen sehr satten, gitarrenlastigen Sound, streckenweise durchaus experimentell und mit lustvollen Instrumentalpassagen durchsetzt.

Auch klassisch: Auf Love the Filth üben sich Mother’s Cake ausgiebig im Geschichtenerzählen – und das nicht nur mit ihren Texten. Die Single Gojira etwa zeichnet den Weg der bekannten japanischen Riesenechse Godzilla auch musikalisch-akustisch nach. Schrille, verzerrte Gitarren, druckvolle Drums und ein starker Bass bilden den Soundtrack zum Zerstörungswerk. Puff Daddys Sample-Remake von Kashmir lässt schön grüßen.

Mit Insanity schließlich hat das Album einen passend zum Titel wirklich irren über zehnminütigen Rausschmeißer, in dem sich Yves Krismer (Gitarre, Gesang), Benedikt Trenkwalder (Bass) und Jan Haußels (Schlagzeug) noch einmal so richtig austoben.

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Text: Mario Nowak