Der Musikladen war von 1972 bis 1984 eine deutsche Fernsehinstitution. Von Mike Leckebusch produziert, war er nicht nur ein würdiger Nachfolger des altehrwürdigen Beatclubs mit Uschi Nerke, sondern ebnete auch die Karriere von Margarete Schreinemakers, die mit der frechen Sendung Extratour, dem Nachfolger des Musikladens, ihr Debüt im deutschen Fernsehen gab. Es gab nicht viele Musiksendungen zu Beginn der 70er. Später erst gab es den legendären Rockpalast mit seinen Rocknächten und Livekonzerten und es gab die Blödelshows wie Plattenküche mit Frank Zander und Helga Feddersen und danach Bananas, aber es sollte noch lange dauern, bis sich Formel Eins und vor allen Dingen MTV und VIVA einen festen Platz in der deutschen Fernsehkultur suchen und finden konnten.

Der Musikladen war Kult und seine Geschichte und Geschichtchen gehören zur TV-Kultur, deshalb ist es umso schöner, dass man sich jetzt die besten Songs aus den 12 Jahren Musikladen auf einer toll gemachten 3-DVD-Box und allerlei mit Liebe zusammengestellten Doppel-CDs nochmal ansehen bzw. anhören kann.

Was war das damals ein Skandal, als man die GO GO Girls zur Musik A touch of velvet, a sting of brass von Mood Mosaic aus dem Jahr 1965 in mehr oder weniger hauchdünnem Nichts tanzen sah, während die Stars der jeweiligen Sendung eingeblendet wurden. 20 Jahre später kann einem das nur noch ein Grinsen abringen und die Frage, wie spießig man war.

Aber es geht ja um die Musik. Jener vom Urgestein Manfred Sexauer, der selbst mal einen Hit hatte, nämlich die deutsche Blödelversion von Rappers Delight mit dem Trio G.L.S, das aus den damals berühmten Radiomoderatoren Frank Laufenberg, Manfred Sexauer und einem gewissen Thomas Gottschalk bestand.

Es ist ein Wiedersehen auf den drei DVDs – mit Bands, die man längst vergessen hat und auch mit solchen, die heute noch bekannt sind. Wer kennt heute noch die Ohio Players, Johnny Nash, Alicia Bridges oder Dead End Kid? Außer einigen Eingeweihten wohl niemand, der sich nicht sehr für Musik interessiert. Aber die kann man jetzt alle wiedersehen und natürlich sind auch die Superstars im Studio von Radio Bremen zu sehen: Frankie Goes To Hollywood, Madness, Kim Wilde, Meat Loaf, Duran Duran, um nur einige zu nennen, sind heute noch ausgesprochen populär.

Was nicht nur Fans des Musikladens gefallen wird, ist die Tatsache, dass man auch einige der legendären Spezialausgaben berücksichtigt hat. Zum Beispiel das Insterburg & Co-Special, jener bekannten Blödelcombo, die in den 70ern in Deutschland Kultcharakter genossen und die einem jungen Karl Dall die ersten Auftritte ermöglichte. Oder auch Amanda Lear, die hier nochmal neben 6 weiteren Stücken ihr Queen of Chinatown haucht.

Auch ein Jazzer wie Chris Barber, den auch nicht Jazzfans durch seinen Titel Ice Cream kennen, wurde hier mit einem Special geehrt und beweist, dass man nicht zwischen den Genres wählen muss, um Musik genießen zu können.

Einen klitzekleinen Kritikpunkt muss man dann aber trotz der opulenten und edlen Box loswerden: Warum der berühmte erste Auftritt von Nena im Musikladen im roten Minirock und Nur geträumt, jener Auftritt, der schließlich eine noch immer andauernde Karriere startete, und nicht zumindest einer der elf Titel, die ABBA im Musikladen präsentierten, berücksichtigt wurden, ist nicht bekannt, aber das schmälert die DVD-Box und die gleichfalls erschienenen Kompilationen der legendären Hits aus den 70ern, den 80ern und der Rock-Hits, die auf CD erschienen sind, nicht sonderlich.

Text: Dennis Kresse