Wenn auf einem Album Psychedelic und Industrial aufeinandertreffen, so wird man in Welten gebracht, in denen alles verschwimmen zu scheint, wie in einer Traumwelt. Was eine Ironie, wenn ein solches Album noch als ein lucid dream (Klartraum) bezeichnet wird und das Projekt dahinter namentlich von der entführten und über acht Jahre eingesperrten Natascha Kampusch inspiriert ist. Gleichzeitig trägt der Titel den Namen Cafe Industrie und so ein bisschen wie in einem avantgardistischen Café fühlt man sich. Bis auf die Tatsache, dass alles wie in einem Drogenrausch wirkt: Die anderen Gäste wirken entstellt, an den Wänden zeigen die Bilder menschliche Abgründe und man hat ständig das Gefühl, es könnte einem jederzeit der Boden unter den Füßen weggerissen werden.

Musikalisch wird die meiste Zeit in einem fast tranceartigen und rituellen Zustand gehalten, mal spaciger mal mit aggressiveren und blechernen Klängen, aber genauso tauchen Hammond Orgeln auf, wie bei Norwich-Vienna. Aber auch tanzbare Momente gibt es, wie zum Beispiel Aloisia’s Visions. Abgeschlossen wird das Album von Exit Auhof, das musikalisch und namentlich an das erste Stück Enter Auhof anknüpft und dem Album so von Anfang bis Ende nochmals verbindet.

Ein Album, bei dem man sich zurücklehnen und bereit sein muss, die Kontrolle abzugeben. Denn das Album spielt mit Assoziationen und Vorstellungen, die es im Kopf aufbaut, nur um diese zu verkehren und neu zu ordnen. Die Kombination aus old-schooligen Industrial Klängen gepaart mit viel Psychedelic und einem gewissen Maß an Unberechenbarkeit sind es, die Cafe Industrie seinen Charme geben.

Text: Tristan Osterfeld