In der Ruhe liegt die Kraft. Dieser Satz wurde sicherlich jedem irgendwann schon einmal eingebläut, wenn das Nervenkostüm gerade mal dünn war. Dass man diesen Satz auch musikalisch verstehen kann, beweisen Nebelung mit ihrem Album Vigil. Nach diversen Live-Auftritten und dem Minialbum Mistelteinn erscheint nun endlich das Albumdebüt des Bonner Duos um Stefan Otto und Thomas List. Auf Vigil präsentieren die beiden Bonner mit Unterstützung einiger Gäste eine Spielweise von folkloristischer Musik, die instrumental betrachtet zwar minimal besetzt ist, dabei aber maximale Wirkung erzielt.

Eindeutig im Vordergrund steht auch auf dieser Veröffentlichung von Nebelung das Gitarrenspiel. Sowohl Stefan Otto als auch Thomas List sind passionierte und ambitionierte Gitarristen, soviel steht schon nach wenigen Takten fest. Hinzu gesellt sich streckenweise ein Kontrabass sowie seltener ein Akkordeon oder eine Violine. Mit dieser Besetzung vermögen Nebelung es, wirklich berührende Klänge zum Besten zu geben. Ein großes Spektrum von Gefühlen wird abgedeckt, das von Einsamkeit über Schönheit bis hin zum Zauber der Natur reicht. Die Natur ist dabei auch im Allgemeinen ein zentrales Element, denn die erdigen Klänge strahlen neben Wärme auch eine deutliche Naturverbundenheit aus.

Vornehmlich in Moll gespielt und gezupft statt geschlagen gehen Nebelung hier konsequent ihren Weg. Darüber die Texte Stefan Ottos, dessen Stimme zwar auf der einen Seite eine dominante Wirkung hat, auf der anderen Seite aber dennoch eingängig und gewissermaßen auch dezent wirkt. Hier steht alles im Namen der Ruhe, denn diese erzielt hier die Schönheit und ist die große Stärke der Formation. Die vorgetragenen Texte orientieren sich dabei am Geist der Jahrhundertwende, so dass auch die drei vertonten Fremdkompositionen nicht weiter verwundern: Getrud Kolmar (Die Roder), Georg Trakl (Ausklang) und Stefan George (Wanderer) standen hier Pate.

Laufen Nebelung bei ihren Live-Darbietungen leider immer wieder Gefahr, unterzugehen, so können sie auf Vigil deutlich ihr Potenzial zum Ausdruck bringen, ohne laute Gespräche und andere Störgeräusche. Und wie das Album zeigt: Dies wurde auch dringend nötig. Nebelung zeigen, dass in ihrer Ruhe tatsächlich große Kraft liegt und veröffentlichen ein gelungenes Debüt. Hier sollte man ruhig einmal genauer hinhören. Wer bisher die Musik Nebelungs für private Unterhaltungen nutzte, überlegt es sich nach dem Hören vielleicht für den nächsten Auftritt anders. Und wer gerne akustische Musik dieser Stilrichtung hört, ist natürlich sowieso herzlich eingeladen, hier mal ein Ohr drauf zu werfen!

Weitere Artikel
Bilder vom Mithra’s Garden Festival in Koblenz am 28.10.2006
Bericht vom Mithra’s Garden Festival in Koblenz am 28.10.2006

Homepage: www.nebelung-musik.de
MySpace: www.myspace.com/nebelungmusik

Text: Marius Meyer