Jeder kennt die kleinen Reclam-Heftchen aus der Schule, in denen – je nach Präferenz – begeistert oder gelangweilt Klassiker der Literatur rezipiert wurden. Seit inzwischen so einigen Ausgaben wird auch den Gemeinsamkeiten zwischen Popkultur und Literatur Rechnung getragen, sodass es in Gemeinschaftsarbeit von Sony Music und Reclam auch eine musikalische Reihe mit den Klassikern der Musikgeschichte gibt. Eine Ausgabe widmet sich nun Nena. Auch wenn diese in jüngerer Vergangenheit häufig eher mit Auftritten in diversen Chart-Shows und zweifelhaften Schulformen für Aufsehen gesorgt hat – ihre Verdienste in der und für die Musik sind nicht von der Hand zu weisen.

Die Reclam-Zusammenstellung widmet sich vor allem der frühen Nena und geht bis hin ins Jahr 1992. Eröffnet wird mit den ganz großen Klassikern, begonnen bei Nur geträumt, das ihr den Durchbruch bescherte, gefolgt von 99 Luftballons, ebenfalls der Neuen Deutschen Welle zuzuordnen. Als fröhliches Lied getarnt, wird hier inhaltlich auf ernste Weise den Krieg thematisiert. Dass Nena sich immer wieder ernsten Thematiken näherte, wird auf der Reclam-Edition stets deutlich. Haus der drei Sonnen ist da so ein Paradebeispiel, das Spielsucht behandelt, da die drei Sonnen am Automaten einen Gewinn bedeuten. Dazu ist das Stück ein Beweis dafür, dass Nena eben auch mehr ist als die NDW-Nena mit ihren Hits. Dass sie auch balladesk kann, zeigt unter anderem Lass mich dein Pirat sein, ergänzt um ein beeindruckendes Saxophon-Solo.

Eine gelungene Zusammenstellung nicht nur für Nena-Fans, sondern auch für solche, die mit dem Phänomen Nena nicht so vertraut sind. So sieht man, dass Nena eben nicht nur die leicht abgedrehte Dame ist, die bei The Voice Of Germany sitzt, sondern auch eine Musikerin mit Geschichte. Hinzukommt noch ein 16-seitiges-Booklet mit ausführlichen Informationen zur Künstlerin. Und das alles zum fairen Reclam-Preis!

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Rezension: Nena – Best of Nena

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Text: Marius Meyer