Mit Serpents In The Dawn liegt nunmehr das zweite Album der russischen Formation Neutral vor. Dabei orientieren sie sich nach wie vor stark den englischen Urvätern wie Current 93, Sol Invictus und Nature and Organisation, die als inspirierende Grundlage für ihren ganz eigenen Folk dienen. Auf dem Zweitling von Ash und Evgueny Voronovsky trifft ein apokalyptischer Einschlag auf wohlige Klänge, ohne dass diese beiden Pole der Musik sich in irgendeiner Weise gegenseitig ausschließen. Vielmehr gelingt es Neutral, die beiden Pole in Schönheit zu vereinen und so acht Stücke ohne Aussetzer auf CD zu bannen.

Acht Stücke, Das klingt zwar zunächst nicht wirklich viel, relativiert sich aber dadurch, dass – um mal das ausgeleierte Argument von Qualität und Quantität zu umgehen – die Stücke im Schnitt über fünf Minuten lang sind und es somit durchaus auf Albumlänge bringen. Auch die Duo-Besetzung klingt zunächst recht minimalistisch, was sich aber wiederum dadurch relativiert, dass wir es hier mit zwei Multiinstrumentalisten zu tun haben, die ein reichliches Repertoire an Instrumenten eingespielt haben: Sechs- und zwölfsaitige Gitarren, Synthesizer, Violinen und Piano sind unter anderem anzutreffen, so dass die Stücke eine angemessene Dichte haben.

Gezupfte Gitarren, eingängig gespielte Violinen, eine Menge Moll-Klänge und darüber der Gesang, der Nachdenklichkeit und Wärme gleichermaßen transportiert sind es, die Neutral auf Serpents In The Dawn ausmachen. Ist in der Einleitung dieser Rezension von einem apokalyptischen Einschlag die Rede, so manifestiert dieser sich am ehesten in der Melancholie. Jedoch wird diese immer wieder aufgehoben von der klanglichen Schönheit, welche die bereits angesprochene Wärme der Musik repräsentiert. So ist die Stimmung also nie wirklich endzeitig, da eben immer wieder Hoffnung durchschimmert. Im Mittelpunkt steht dann eben doch das Schöne. Und hierbei wissen Neutral ganz genau, wie sie diese erzeugen.

Das Tonträgerjahr 2008 ist noch jung – Neutral gehören dabei zu den ersten, die eine neue Veröffentlichung unter die Hörerschaft bringen. Dabei haben sie mit Serpents In The Dawn einen wirklich gelungenen und respektablen musikalischen Startschuss für das Jahr 2008 abgeliefert, der optimistisch stimmt für das, was da noch so kommen mag. Ein wirklich gelungenes Album voller akustischer Schönheit, das allen Freunden ruhiger, akustischer, folkloristisch geprägter Musik wärmstens ans Herz zu legen ist. So warm, wie die darauf enthaltenen Klänge.

Homepage: neutral.woods.ru
MySpace: www.myspace.com/neutralofficial

Text: Marius Meyer