Man fragt sich, ob das der neue Trend bei Musikern ist oder der neue Trend bei denjenigen, die im PR-Bereich die Hintergrundstory zu den Alben schreiben: Die Geschichte des Musikers, der aufs Land zieht, um abgeschieden an neuem Material zu schreiben. Auch bei Anna Roxenholt, so der bürgerliche Name der Dame hinter New Found Land, die als Wahl-Neuköllnerin nach Schweden aufs Land ging, um ihre Ruhe zu haben. Ein erkenntnisreicher Prozess, der sie mehr zu sich selbst gebracht hat, die nun ein selbstreflexives drittes Album veröffentlicht, das ganz programmatisch nur auf den eigenen Projektnamen New Found Land hört.

Die Selbstsuche beinhaltete dabei auch: Trennen von den bisherigen Musikern um die herum. War vorher ein loses Kollektiv mit dabei, fand sie diesmal ganz zu sich selbst und behauptet: „I became your mirror“, im Titel Mirror. Das aber ist sie jetzt nicht mehr, der Spiegel der anderen. Musikalisch ist das in einem ansprechenden Elektro-Stück geschehen, das 80er-Synthie-Anklänge hat, dabei aber frisch klingt. Elektronisch ist es auch insgesamt ausgefallen. Windowsill begegnet als vertracktes Elektro-Stück, bei dem auch Fever Ray und Björk freundlich grüßen lassen. Aber es gibt auch andere Momente, die sicher Produkte der Selbstreflexion sind: Nothing’s Ever Been Easier beispielsweise mit seinen Akustik-Gitarren, dem ruhigen Gesamtsound und dem süßlich-melancholischen Gesang.

Insgesamt ist es ein erfreuliches Freistrampeln, das uns hier von New Found Land begegnet. Ob es nun die schwedische Abgeschiedenheit war oder nicht, kann man schwerlich beantworten. Wie es wurde, ist es auf jeden Fall sehr ansprechend geworden. Oder um es in Anlehnung an einen bekannten Fußballer zu sagen… Ob Neukölln oder Schweden: Hauptsache New Found Land!

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Text: Marius Meyer