Jeder Mensch ist ja irgendwo „Stamm-“. Man geht ja schließlich nicht beständig zum Italiener um die Ecke, weil man dort jedes Mal von neuesten Kreationen überrascht wird, sondern weil es sich bewährt hat. Ebenso wie man ja auch nicht ständig denselben Supermarkt besucht, um Neues zu entdecken. Das hat den Vorteil, dass man beständig auf der sicheren Seite hat, lässt aber wenig Zeit, um den eigenen Horizont zu erweitern. Die Band um Justin Sullivan aber wollte diesen Horizont wohl mal erweitern: New Model Army begegnen auf ihrem neuen Album experimenteller und atmosphärischer. Der typische New Model Army-Sound ist aber dennoch an keiner Stelle außen vor gelassen.

Man darf froh sein, dass die Band sich wieder gefunden hat und ihren Sound weiterhin kreiert. Die letzten vier Jahre waren schließlich vieles, aber nicht einfach: Der Manager verstarb unerwartet, das Archiv und Teile des Equipments sind einem Studiobrand zum Opfer gefallen, das restliche Equipment wurde geklaut und Bassist Nelson ist gegangen. Die Devise also: neues Equipment, neuer Bassist, neuer Anfang. Mit dem atmosphärisch trabenden Opener Horsemen ist bereits erkennbar, wie sich die Spannung langsam aufbaut und man behutsam in das Album eingeführt wird. Ein Album, das den typischen Sound der Band bietet und packende Klangwelten aufbaut. Das verhangene Did You Make It Safe? beispielsweise zeigt, wie gut die Band wieder zu sich gefunden hat. Oder auch Knievel, das mit seinen ruhigen Gitarren einer bedrohliche Atmosphäre aufbaut. Stücke wie Stormclouds zeigen dann, dass das Rock-Potenzial bei der Band nach wie vor vorhanden ist.

Ob das nun, wie die Band selbst empfindet, das bisher beste Album der Band sei, ist sicher ein anderes Thema. Schließlich ist das neue Album für Musiker ja immer das bisher beste. Was aber sicher ist: Das Album klingt nicht nur sehr erfrischend, sondern auch sehr gut.

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Text: Marius Meyer