Ein Held wider Willen, der Superstar, der er nie sein wollte… Über Kurt Cobain lässt sich vieles schreiben, neu ist davon vermutlich wenig. Was aber auch fast 20 Jahre nach seinem Tod im Jahr 1994 nicht genug geschehen kann, ist seine Musik zu würdigen. Das tat vor zwei Jahren schon der Re-Release der Nevermind anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Scheibe, nun ist auch die In Utero am Jubilieren und erscheint in verschiedenen Ausführungen als Re-Release. Wir haben uns an dieser Stelle die Doppel-CD-Version vorgenommen. Und tatsächlich: Auch bei dieser Scheibe gibt es auch 20 Jahre nach der Erstveröffentlichung noch allen Grund zum Jubeln.

Wer damals bei dieser dritten und letzten Studio-Veröffentlichung der Band auf eine zweite Nevermind gehofft hatte, wurde hier enttäuscht. Offenbar wusste die Band, dass dies eh nicht möglich ist und veröffentlichte ein kantig-sperriges Werk mit wütend-druckvollen Rock-Klängen, das bereits im Opener Serve The Servants seine Botschaft unter die Hörerschaft bringt. Auch wenn dieser zu den melodischeren Momenten gehört auf der Scheibe, so ist die Richtung doch deutlich erkennbar. Auch der Hit der Scheibe, Heart-Shaped Box, ist zwar eingängig, aber auch deutlich düsterer als der Vorgänger. Titel wie Scentless Apprentice oder auch Tourette’s hingegen kanalisieren gebündelt Wut und Verzweiflung.

Das Album an sich: ein Meilenstein. Neu mit dabei auf dieser Version ist ein ganzer Schwung von B-Seiten und unveröffentlichten Titeln. Auf CD 1 beispielsweise die Nummer Gallons Of Rubbing Alcohol Flow Through The Strip, die auf der internationalen Version des Albums war. Eine eigenwillige Nummer, die schräg und verzweifelt anmutet und im Chorus dann auch sehr krachig wirkt. Dazu B-Seiten wie der klangvolle Titel Moist Vagina, die B-Seite von All Apologies, das auch die Qualität hatte, auf das Album zu gelangen. Zudem zu finden: I Hate Myself And Want To Die, ursprünglich auf der The Beavis and Butthead Experience veröffentlicht. Ein symptomatischer Titel für die späteren Ereignisse? Man weiß es nicht.

Auf einer weiteren CD begegnet zunächst einmal das Album im 2013er-Mix. Bei derlei Neubearbeitungen scheiden sich stets die Geister, ob und inwieweit der Sound nun anders oder frischer ist – wir nehmen es an dieser Stelle einfach mal so hin. Wichtiger aber die zahlreichen Demo-Versionen, die auch auf der zweiten Scheibe zu finden sind. Ein würdiger Re-Release und ein Album, das eh in keiner guten Sammlung fehlen sollte.

Neben der Doppel-CD-Version erscheint die Jubiläums-Ausgabe auch in den folgenden Formaten: Super Deluxe Edition (3 CDs + 1 DVD), Deluxe Vinyl Edition, Album remastered (1 CD), digital

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Text: Marius Meyer