Noblesse Oblige sind eine dieser Bands, die eigentlich schon länger da sind, aber irgendwie bisher immer eher im Schatten der Großen agierten. Nun sind sie wieder da und hoffen natürlich, ein wenig aus dem Schatten herauszukommen. Ein Schritt, der da Erfolg versprechen könnte: Für die Single Runaway hat Chris Corner von IAMX Regie geführt. Somit hat man durch das reine Namedropping schon ein bisschen an Prominenz gewonnen. Was so ganz nebenher auch zu ein bisschen Prominenz verhelfen könnte: gute Musik. Die gibt es auf Affair Of The Heart in großer Menge zu hören und hat ein Namedropping gar nicht so nötig.

Schauen wir doch noch einmal auf die Single Runaway: Flirrender Synthie-Pop, der die 80er auf angenehme Weise ins Heute transportiert, tanzbar begegnet und mit zweistimmigem Gesang punkten kann. Auch Mata Hari – ebenfalls eine Single – ist so ein Stück, mit dem Noblesse Oblige sozusagen „aus dem Stand“ gefallen können. Im eher getragenen Tempo mit ein paar orientalischen Einflüssen ist hier ein betörendes Stück erschaffen worden. Man muss aber gar nicht so auf die Singles schielen, denn Qualität haben sich Noblesse Oblige auch auf Albumlänge auf die Fahnen geschrieben. Der Synthie-Pop ist hier das Leitmotiv und begegnet immer wieder, wie beispielsweise in Vagabonde, das einen nicht abzustreitenden Disco-Appeal hat und kühle Sounds mit Bewegungsdrang paart. Besondere Aufmerksamkeit hat dann noch Hotel California verdient, das hier in einer sphärischen Synthie-Version mit über acht Minuten Länge begegnet. Eine mutige Interpretation, aber eben wirklich: eine Interpretation! Noblesse Oblige machen das Stück zu ihrem eigenen – zwar sicher auf polarisierende Weise, aber auf jeden Fall so, dass es sich gut ins Album einfügt.

Ob nun mit oder ohne Chris Corner: Noblesse Oblige ist hier ein starkes Album gelungen, das ihnen wünschen lässt, dass sie ein Stück weit aus dem Schatten springen können und die verdiente Beachtung finden.

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Text: Marius Meyer