Dass Nobody Knows literarisch gleichermaßen interessiert, wie bewandert sind, ist nichts Neues. Wer sich in der Vergangenheit mit der Formation auseinandergesetzt hat, weiß dies und weiß auch, dass die Band auch vor schwierigen Stoffen nicht zurückschreckt. Da ist auch ein Kurt Tucholsky kein Stoff, der als zu schwer erachtet wird. Nein, mit Drei Minuten Gehör erscheint nun ein Album, das sich nur eben diesem widmet und dabei eine Zusammenarbeit darstellt mit Theaterschauspieler und Sänger Bernd Marquardt sowie der Musikerin Tabiha Harzer. In dieser Zusammensetzung hat man sich dem Gesamtwerk des Schriftstellers Tucholsky gewidmet hat.

Dabei sind es vor allem zwei Herangehensweisen, die das Album prägen: Im ersten Teil sind es musikalische Vertonungen von Texten des Kurt Tucholsky. Das kann ernst zugehen, das kann auch munter zugehen und auch mit einem Augenzwinkern ist immer mal zu rechnen. So klingt es beispielsweise in Wahre Liebe recht amüsant, wenn Max Heckel gut gelaunt ein „du bist so himmlisch dämlich“ singt. Ein Der Graben hingegen klingt mit Moll in folkiger Instrumentierung sehr nachdenklich, holt einen als Hörer aber dennoch gut ab und glänzt auch mit Solo-Momenten. Zudem werden auch kritische Nachfragen mit satirischer Umsetzung verbunden – beispielsweise in An das Publikum, das kritisch damit umgeht, dass gute Bücher nicht angenommen werden und fragt, ob das Publikum „wirklich so dumm“ sei.

Nach dem melancholisch und doch hoffnungsvoll anmutenden Instrumental Drei Minuten Gehör folgt die zweite Säule des Albums: Gelesene Gedichte, bei denen die Instrumentierung eher dazu dient, die Dramaturgie musikalisch zu untermauern, während aber sehr deutlich das gesprochene Wort im Vordergrund steht. Das kann mal deutlicher instrumentiert sein wie in Danach, aber auch mal sparsamer und dezenter wie in Media in vita. Was dabei auffällt ist, wie gut die Stimme sich in die vorgetragenen Texte einfindet. Der Tonfall in Das Ideal, von einem ruhigen Piano begleitet, lässt einen fühlen, als sei man mitten im Dialog (obgleich man eigentlich nur einen Monolog hört) und mitten im Geschehen. Auch die Reimkunst wird hier sehr filigran umgesetzt.

Nachdem man die insgesamt 22 Titel auf gut 70 Minuten gehört hat, weiß man, dass man hier erneut nichts verkehrt gemacht hat. Was Nobody Knows in die Hand nehmen, das gelingt. So ist es auch auf Drei Minuten Gehör, das nicht einfach nur gelungen ist, sondern das erneut auf einem sehr hohen Niveau!

Der Vollständigkeit über hier noch eine Titelliste:

01. Augen in der Großstadt
02. Singt eener uffn Hof
03. Wahre Liebe
04. Mutterns Hände
05. Park Monceau
06. Der Graben
07. An das Publikum
08. Das Lied vom Kompromiss
09. Wenn die Igel in der Abendstunde
10. Drei Minuten Gehör
11. Danach
12. Die Herren Zuhörer
13. Media in vita
14. Das Ideal
15. Ideal und Wirklichkeit
16. Aus!
17. Ein älterer, aber leicht besoffener Herr
18. Aufgewachsen bei
19. Zur soziologischen Psychologie der Löcher
20. Jener Tag
21. Der Graben (feat. Bernd Marquardt)
22. Wenn die Igel in der Abendstunde (feat. Bernd Marquardt)

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Text: Marius Meyer