Ein Pressluftbohrer? Ich dachte das wäre ein Folkalbum, was soll denn das sein? Die Frage wird sich dem Hörer wohl nicht erschließen, aber wird auch zum Glück nach etwa zehn Sekunden völlig irrelevant. Denn nach dem etwas merkwürdigen Intro beginnen Novalis Deux ihr Album und das Bohrgeräusch verschwindet im Hintergrund. Dabei wird der Hörer auf eine Reise geschickt, die bei angenehm dahinplätscherndem Folk beginnt und auch wieder endet. Zwischendurch gibt es allerdings eine ganze Reihe musikalischer Überraschungen zu entdecken, die aufhorchen lassen und eine unglaubliche Faszination ausüben.

Denn was so gemächlich beginnt, steigert sich im Laufe der Zeit in eine Mischung aus Folk, Gothic und Rock, die immer wieder vertraut wirkt und gleichzeitig ganz neue musikalische Dimensionen eröffnet: Sind die ersten Lieder noch sehr folk-typisch mit Gitarre, Trommeln, gelegentlichem Piano oder Violine, steigert sich das Album nach der ersten Hälfte in Rockmusik alter Schule. Zwischendurch werden zwar auch wieder ruhige Klänge geboten, aber auf der zweiten Hälfte wird die CD, schneller, härter, düsterer und auch deutlich dreckiger.

Gegen Ende wird es dann wieder harmonischer und sorgt für einen entspannten Ausklang. Während die CD durchläuft, fällt auch auf, wie sehr der Gesang zur jeweiligen Stimmung der vielseitigen Lieder passt, obwohl weder Tonlage noch Lautstärke sich merkbar ändern.

Ein sehr schönes und abwechslungsreiches Album ist Ghosts over Europe geworden, auf dem es viel zu entdecken gibt. Novalis Deux haben ihren Stil nicht nur verfeinert, sondern auch um einige Facetten erweitert. Gut so!

Homepage: www.novalis.cx
MySpace: www.myspace.com/novalisdeux

Text: Tristan Osterfeld
Bild: PR