Das Odradek bewegt sich um das Haus umher, ganz nach eigenen Regeln, es spricht erwachsen, seine Züge aber sind kindlich, Gesetzmäßigkeiten gelten für dieses nicht. So zumindest in der Geschichte Die Sorge des Hausvaters von Franz Kafka. Surreal, nur schemenhaft vorstellbar und nun ein Teil des Namens dieser aus der Ukraine stammenden Band. Thematisch orientiert sich deren erstes Album dagegen am Tibetanischen Buch der Toten. All das lässt ein sehr surreales und abgründiges Hörerlebnis erwarten, in Realität sieht es dann doch ziemlich anders aus, da dies letzten Endes relativ bodenständig, wenn nicht gar konventionell klingt. Dafür beweist die Band ein Gespür für den richtigen Moment und dafür, wie man den Hörer zu packen weiß.

Man bewegt sich irgendwo zwischen Post Black Metal und Doom Metal, wobei von letzterem die schleppenden Riffs kommen, von ersterem die verschachtelten Melodien, die sich nur schwer entwirren lassen. Trotz aller Schwere lassen sich aber auch verträumte Momente ausfindig machen, in denen das Riffing mal nicht vor sich hinschleppt. Fast möchte man in diesen Momenten an Alcest denken, wobei Odradek Room in solchen Momenten den Franzosen nur von der Grundstimmung her ähneln, musikalisch bleibt man eigenständig. In anderen Passagen gibt es Flüstergesang, mal wird man beinahe balladesk, wenn ein Klavier erklingt und sich über dieses dann wieder die schweren Riffs legen und es zu ersticken drohen.

Die eigentlichen Elemente, die auf dem Album zu hören sind, sind nicht unbedingt spektakulär, die Mischung macht es aber. Odradek Room verstehen es, Einzelteile auf interessante Weise zusammen zu setzen und den Hörer in der Musik versinken zu lassen, wodurch Bardo. Relative reality seinen eigenen Reiz entwickelt.

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Text: Tristan Osterfeld