„Willkommen im Jahre 2014. Die 40.000-jährige Plage der Mutant Monkeys erreicht ihren unweigerlichen Höhepunkt: Das Klima verändert sich, die Polarkappen schmelzen, die Himmel weinen Säure. Unsere wunderschöne Erde ist in Gefahr. Grüne Wälder und endlose Ozeane werden zu verschmutzter, unfruchtbarer Ödnis – dank geldvernarrter, suizidaler Mutant Monkeys, die Mutter Erde und ihrem natürlichen Reichtum den Krieg erklärt haben. Die Zeit der Earth Warriors ist angebrochen. Wenn wir nicht für die Zukunft des Planeten kämpfen, wer dann?” – Omnia rufen mit ihrem neuen Album Earth Warrior zu den Waffen. Im Kampf um das Überleben unserer Biosphäre.

Eindringlicher und konzentrierter kommunizierten Steve Sic, Jenny, Rob Thunder, Daphyd Crow – und als neuer Mitstreiter Satrya – ihre Botschaft nie. „But I will protect them, yes I got the right, cos I am a soldier, I fight the good fight.” (Earth Warrior) Und kaum jemand transportiert diese Botschaft glaubhafter: So setzt sich die Band vehement für Tier- und Umweltschutzorganisationen ein (z.B. Sea Shepherd), inszeniert sich als Waldläufer, Treehugger, naturverbunden sowie konsumfern – und kümmert sich im Notfall auch um verwaiste Spatzenbabys. Ihre in Musik gegossene Weltanschauung – selbstbetitelt als Pagan Folk – reicht auf diesem Album von nachdenklichem Earth Warrior-Reggea bis hin zu Mutant Monkey, das dank Kazoo-Begleitung und psychodelischem Lachen einem bizarren Kinderliedchen gleicht, welches jedoch böseste Gewissensbisse auslösen könnte. Laut Steve “a little reminder for the human race that they shouldn’t take themselves and their own personal lives so seriously.”

Dass Omnia – wie beim gitarrenlastigen Crazy Man (ein weiterer Tribut an gesellschaftliche Unangepasstheit) – saitige Unterstützung von Old School Rockern wie Joe Hennon nutzen, mag ein Grund für den Bandnachwuchs sein: Satrya ist zumindest visuell eine perfekte Ergänzung zu Omnias Augenschein.

Dass er einem Abkömmling Bruchtals gleicht, ist angesichts des neuen Earth Warrior-Konzepts keinesfalls unvorteilhaft. So treten Earth Warriors (auch solche mit so hübschen Brüsten wie Jenny) generell frei – und freizügig auf. Und obwohl dies teilweise zu zensierten Facebook-Posts und pikiert-irritierten Mutant Monkeys führt: Das Artwork des neuen Albums ist rau, wild, mystisch. Earthbound. Und wunderschön. Rau, wild und mystisch sind auch die musikalischen Sprünge in die Vergangenheit. Epona und Cernunnos tönen aus der Anfangszeit Omnias ins Jetzt (beide finden sich auch auf dem ersten Omnia-Album Sine Missione). Daphyds ungewöhnliche Didgeridoo-Künste, Steves neokeltische Doppelflöte, Jenny wild an Bodhrán und Rob an seinen „War drums“ intensivieren die klaren Klängen, die Omnia damals ihren unverkennbaren Geist einhauchten. Tanzbarer, packender, dichter und reiner: “So this is actually Pure Fucking ORIGINAL Pagan Folk.” – kategorisiert Steve treffend.

Ansonsten ist Omnia musikalisch schwerer zu kategorisieren als jemals zuvor. Neben aufpoliertem Altbekanntem und Traditionals (Triceltika) finden sich auf Earth Warrior auch Country im Johnny Cash-Style (Black House), Bluegrass (Noodle the Poodle) und bereits erwähnter akustischer Reggea (Earth Warrior). Jennys minimalistisches Klavierspiel in Weltschmerz fügt klassische Klänge an Native-American Tribal Music (Kokopelli). In Babu Bawu trifft innerhalb eines Tracks chinesische Schilfrohr-Flöte auf bulgarische Reminiszenzen in Melodie und Text sowie einen Balkan-Rhythmus, bei dem nicht einmal Steve mitzuzählen vermag. Dennoch: Mehr Vielfalt, als Zwiespalt – hörbar hat sich die lange Reise in die Lava Studios nach Dänemark gelohnt.

Omnia spielen nicht mehr einfach wilden Pagan Folk und verträumte Mystik-Klänge. Omnia spielen „Earth Musick“. Und ihr Ziel ist es, viel mehr zu bewegen, als nur die tanzende Meute vor der Bühne.

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Text: Ann-Kristin Herget