Die Veröffentlichungen von Oneirogen dokumentieren das musikalische Schaffen vom New Yorker Künstler Mario Diaz de Leon; Kiasma ist sein bis dato zweites Album. Dabei nutzt er sein Alter Ego, um eine verlockend düstere Melange aus schwerem, schlagzeuglosem Black Metal, harschen Geräusch- und Lärmattacken sowie melancholische Keyboard-Ambient-Flächen zu kreieren. Dass sämtliche Soundvergleiche nur unzulänglich Oneirogens Sound beschreiben, macht Kiasma zusätzlich zu etwas Besonderem und spricht für de Leons, der übrigens alle Instrumente auf dem Album selbst einspielte, starken künstlerischen Charakter.

Auch bei Oneirogen lässt sich eine entsprechende Entwicklung feststellen. War das erste Album noch stark von elektronischen Klängen geprägt, stellt die bis zur Unkenntlichkeit verzerrte Gitarre nun einen gleichberechtigten und ziemlich ebenbürtigen musikalischen Teil dar. So erinnern die schweren Gitarrenriffs, die im Opener Numina toben, an die Drone-Metaller Sunn O))), werden jedoch von glockenhellen Synths umgarnt und konterkariert.

Während der fünfzig Minuten Musik auf Kiasma findet sich de Leon immer wieder zwischen Melodie und Krach austariert, pendelt zwischen beiden hin und her, lässt auf doomige Noisepassagen minutenlange Ambient-Zwischenspiele folgen. Ein starker Kontrast, der dem Gesamteindruck des Werks zugute kommt und Oneirogen eher in die stilistische Nähe zu Noisekünstlern wie Ramleh oder Prurient befördert.

Vor allem das fünfzehnminütige Katabasis, das bereits als Konzertopener zum festen Teil von Oneirogens Liveperformances zählt, vermag zu faszinieren, gleichermaßen zu erschrecken wie zu beglücken und zählt ohne Zweifel zum Höhepunkt des Albums. Mortisomnia, inklusive klischeehafte, doch nicht peinliche Gruselvocals von de Leon selbst, beschließt das Album. Die letzten Klänge seiner Noisigkeit hinterlassen ein paar sehr mitgenommene, mitunter verstörte, aber glückliche Ohren und ihren Besitzer.

Homepage: www.oneirogen.com
Facebook: www.facebook.com/oneirogenvoid

Text: Fabian Broicher