Nachdem bereits der Backkatalog aufwendig wiederveröffentlicht wurde, erscheint nun auch das vierte Album von Origamibiro, das sich eindeutig zwischen den Welten bewegt und sich so einer Zuordnung verweigert. Künstlerisch könnte man es dem Inustrial zuordnen, denn man verwendet Field recordings, Papier, Schreibmaschinen sowie typische Instrumente auf atonale Weise, um Klang zu erzeugen. Was dabei herauskommt, mag dann auch eine Art von Klangcollage sein, jedoch ist die musikalische Wirkung weit von dem weg, was man unter Industrial verstehen würde. Stattdessen bewegt man sich in surrealen Gefilden, wie es schon das Plattencover andeutet und man denkt eher an phantastische Literatur im Stile Hoffmans, deQuinceys oder Kafkas.

Vielleicht könnte man auch an eine psychedelische Stummfilmvariante des Film Noirs denken, aber so richtig zuordnen lässt es sich immer noch nicht. Vielleicht wäre psychedelischer Neoklassik treffend, aber auch das nur ansatzweise. Was das Album letztendlich transportiert, sind fragmentarische Bilder, die morbide wirken, aber noch wie aus dieser Welt, aber immer wieder scheint etwas mystisches, übernatürliches hindurch, das man nicht komplett begreifen oder entschlüsseln kann. Um ein Beispiel zu nennen: Direct voice lässt Streicher erklingen, die eine Melodie spielen und dennoch subtil disharmonisch wirken und dann immer wieder von dem Ticken von Uhren abgelöst werden, die dann für sich eine neue Melodie bilden und beides schwimmt ineinander und erschafft ein einzigartiges Klangbild.

Das einzige Manko des Albums ist, dass es nicht die Energie der Live-Auftritte Origamibiros transportieren kann. Aber dies liegt nun mal in der Natur des Mediums und auch so entfaltet das Album eine nicht zu unterschätzende Wirkung…

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Text: Tristan Osterfeld