Paradise Lost ist wieder eine dieser Bands, die niemandem mehr vorgestellt werden muss, der sich auch nur annähernd mit Musik der härteren Gangart beschäftigt. 1988 als Death Metal Band gegründet, flossen nach und nach mehr Gothic-Elemente mit in die Klänge ein. Es folgten viele Jahre, in denen die Band sich nie auf Erfolgsrezepten ausruhte, sondern immer neue Wege ging. Das brachte nicht immer nur Freunde, wurde jedoch zu keinem Zeitpunkt langweilig. Die wegweisenden Alben Shades Of God (1992), Icon (1993) und Draconian Times (1995) erscheinen jetzt in einer Original Album Classics-Box zum günstigen Preis.

Shades Of God (1992)

Mit dem Nachfolger zu Gothic zeichneten sich auf dem dritten Album Shades Of God erste Änderungstendenzen bei der Band ab. Zwar ist es immer noch Metal in Reinform, den die Band hier spielt, aber ein wesentliches Merkmal ist unter anderem, dass Greg Mackintosh auf diesem Album mehr melodische Passagen einbettet. Pity the Sadness ist so ein Beispiel. Mit druckvollen Riffs und in den Strophen brachialem Gesang, sind dennoch erste Wandlungserscheinungen in den verhalteneren Passagen des Stückes zu erkennen. Hinzukommt dann noch As I Die, das zum überraschenden Hit wurde, obgleich es ursprünglich nur als Bonus-Track gedacht war, der auf der LP-Version gar nicht enthalten war. Mit harten Gitarren und nicht ganz so hohem Tempo, macht sich im Chorus eine einfühlsame Nachdenklichkeit breit und rundet das Album gelungen ab.

Icon (1993)

Etwa 15 Monate nach Shades Of God erschien mit Icon das Album, das Paradise Lost den endgültigen Durchbruch bescherte. Ein Chart-Einstieg auf 31 und 24 Wochen Präsenz in den Top 100 sprechen eine deutliche Sprache. Der Gesang ist weniger brachial als noch auf dem Vorgänger und begegnet melodiöser, aber mit Rauheit drin. Eröffnet wird das Album mit Embers Fire, das auch heute noch im Live-Programm der Band zu finden ist. Ein atmosphärisches Metal-Stück im mittleren Tempo, das wuchtig begegnet. Mit Stücken wie Widow und seinem Stakkato-Schlagzeug wird das Tempo gerne mal angezogen, aber die Doom-Anleihen und der Gothic-Stil sind ein häufiges Merkmal dieses Albums. Ein Album, das durch Härte und Atmosphäre gleichermaßen besticht.

Draconian Times (1995)

Im Jahr 1995 setzt Draconian Times dort fort, wo Icon endete. Paradise Lost sind melodiöser geworden, was sich im Songwriting und dem Gesang niederschlägt. Was im Gegensatz zum Vorgänger deutlich wird: Die Anzahl der Stücke mit höherem Tempo ist gestiegen. Titel wie Once Solemn gehen schnell nach vorne, die Gitarren drücken, es gibt schnellen Gothic Metal zu hören. Wie auch bei The Last Time, das vor Album-Veröffentlichung den ersten Einstieg der Band in die Single-Charts mit sich brachte. Aber auch die Atmosphäre kommt nicht zu kurz und Titel wie Hands of Reason bringen wieder die verhangene Stimmung, wie sie auf Icon vorwiegend anzutreffen war. Abermals ein sehr gelungenes Album der Band aus Halifax.

Wer diese Alben noch nicht in seiner Sammlung stehen hat, sollte hier zuschlagen, denn der Preis ist mehr als fair und die Qualität hoch. Die drei Alben sind im Package jeweils im Papp-Sleeve enthalten ohne weiterführende Informationen. Sammler werden vermutlich das „echte“ Album mit Booklet bevorzugen, aber wer sich einfach nur seine Sammlung mit hochwertigen Alben von Paradise Lost vergrößern will, ist hier genau richtig.

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Text: Marius Meyer