Ein thrill addict ist jemand, der die Gefahr und den Kick sucht, vielleicht auch jemand, der wissentlich oder sogar zwanghaft das Unvernünftige tut. Die Kanadierin Barbara Lehnhoff und der Schweizer Aris Bassetti alias Peter Kernel haben ihr drittes Album nach so einem notorischen Adrenalinjunkie benannt – in erster Linie wohl, um damit die Irrungen und Wirrungen ihrer nicht unkomplizierten Beziehung zu beschreiben. Getroffen haben sich Lehnhoff und Bassetti nämlich ursprünglich während des Studiums in Lugano … und waren sich auf Anhieb unsympathisch. Erst die Kunst führte sie zusammen: Lehnhoff machte experimentelle Filminstallationen, Bassetti Musik.

Auf Thrill Addict erkundet das Duo nun mittels einer Mischung aus Alternative, Post Punk und Art Punk die Tiefen und Untiefen seiner Beziehung. Dabei ist durchaus die Intimität zwischen zwei sensiblen und entsprechend nachdenklichen Menschen zu spüren, die sehr an sich arbeiten und sich an einander abarbeiten. Wer deshalb oder wegen des Titels jedoch ein gewagtes, schräges und abgefahrenes Album erwartet, irgendetwas, das auch musikalisch ausdrückt: »Wir sind eben anders und zeigen dem Rest der Welt den Mittelfinger!«, der wird eher enttäuscht sein.

Thrill Addict ist ein Album der Selbstbeschäftigung, das den typischen Alternative-Weltschmerz pflegt – und der Begriff »pflegen« ist hier bewusst gewählt, denn es ist bei aller Abwehrhaltung und allem Zynismus, der sich bisweilen in den lakonischen Texten ausdrückt (Your Party Sucks), irgendwie doch immer ein braves, ein pflegliches Stück Musik.

Manchmal lässt Thrill Addict durchaus aufhorchen, etwa wenn die Songs zwischenzeitlich mal nur Drums and Vocals sind (High Fever), aber im Wesentlichen sind die Lieder schmale Kost aus Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang, geradlinig und schnörkellos. Man staunt gelegentlich schon, wie oft in Folge sich ein Akkord spielen lässt.

Fans des Genres oder des kanadisch-eidgenössischen Duos (oder schlicht Leute, die in einer vergleichbaren Lebensphase sind) mögen an Thrill Addict aber vielleicht noch Feinheiten entdecken, die mir entgangen sind. Dann nehme ich gern alles zurück und behaupte das Gegenteil.

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News: Peter Kernel – die Teaser zum Album „Thrill Addict”

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Text: Mario Nowak