Es ist ein gewöhnungsbedürftiges Album, das Phase III uns als Erstlingswerk präsentieren. Experimenteller Dark Wave oder auch EBM, streckenweise klischee-überladen, dann wieder mit diesen Klischees spielend, sich selbst auf die Schippe nehmend. Auf Es wird dunkel finden sich sechzehn sehr unterschiedlich ausgefallene Songs, zwischen klassischen Club-Abtanz-Hits und gewöhnungsbedürftigen Experimenten ist alles dabei. Insgesamt präsentieren sich Phase III auf ihrem Debüt als vielseitige, experimentierfreudige Band, die sich als zu sperrig für jede Schublade erweist: Ausgetretene Pfade werden verlassen, eingefahrene Strukturen aufgebrochen.

Es ist schwierig, im ersten Moment einen Zugang zu Es wird dunkel zu finden, da erst einmal keine Linie zu erkennen ist. Die ersten drei Songs des Albums zeigen dies bereits eindrucksvoll: Der Opener Friendly Damage ist hundertprozentiges Tanzflächenfutter, danach folgen der Trauermarsch und Im Nebel, Sprechgesang, der textlich schwer im Magen liegt und im Fall vom Im Nebel ein Gedicht von Hermann Hesse zitiert. Auf den ersten Blick ist dieses Album also alles Andere als rund, die Songs wirken zusammengewürfelt.
Auf den zweiten Blick allerdings wandelt sich der Eindruck. Ausdrückliches Ziel der Band war es, ein Album zu kreieren, das sowohl Szeneclubs als auch dem Einzelnen zu Hause abwechslungsreiche Unterhaltung bietet – und das ist ihnen gelungen. Das oben angeführte Beispiel zeigt die Varietät unterschiedlicher Einflüsse und dem Versuch musikalischer Grenzüberschreitungen, die auf dem gesamten Album typisch für Phase III sind; vielleicht auch ein Resultat daraus, dass man für Es wird dunkel verschiedene Gastmusiker verpflichten konnte.
Friendly Damage ist also ein Song für die Tanzflächen dieser Welt, genau wie die Neuauflage des Mastertune-Songs B.A.C.K. und der Titelsong Es wird dunkel, um kurz drei herauszugreifen. Letzterer ist textlich gesehen ein herrlicher Seitenhieb auf die Szene, der den aufmerksamen Hörer hin und wieder zum Schmunzeln bringt. Eher experimentell gehaltene Songs wie der sehr gelungene Trauermarsch, Im Nebel oder Die Liebe ist stehen Phase III insgesamt sehr gut zu Gesicht, zeigen sie doch, dass die Band mehr kann als vergängliche Clubhits zu produzieren. Der Wille, die ausgetretenen Pfade zu verlassen, ist auf dem gesamten Album dominant und steht ihm gut zu Gesicht, auch wenn die verschiedenen Experimente dem Album, wie gesagt, gleichzeitig etwas Sprunghaftes verleihen.
Ganz ohne Zugeständnisse an die Schwarze Szene kommen Phase III dann aber doch nicht aus. Auf dem Album befinden sich zwei Cover der Szene-Klassiker Fade to Grey und True Faith, beide durchaus hörbar und solide umgesetzt.

Ein alltägliches Album ist Es wird dunkel sicher nicht. Die Variationsbreite der einzelnen Songs und ihre Umsetzung lassen hoffen, dass diese Band keine Eintagsfliege im Musikgeschäft bleibt, sondern die Szene noch mit vielen Veröffentlichungen beleben wird. Auch wenn das Album im ersten Moment etwas sperrig und nicht unbedingt leicht zugänglich wirkt, gehört es ins Repertoire jedes EBM-Fans und beweist eindrucksvoll, dass Musik auch heutzutage nicht immer belangloses Geplänkel sein muss.

Homepage: www.phaseiii.de
MySpace: www.myspace.com/phaseiiigermany

Text: Lisa Kleinberger