Ein Interesse für rituelle Musik kann einem historische und ethnologische Kenntnisse vermitteln. Zumindest, wenn man es mit Musikern zu tun hat, die sich ernsthaft mit Urvölkern, ihren Ritualen und ihrer Lebensweise auseinandersetzen. Dass es im Bereich Ritual/Dark Ambient ein weites Feld von interessierten Musikern gibt, die auch gute Konzeptalben machen, ist genauso eine Tatsache, wie dass es auch das genaue Gegenteil gibt. Zu ersteren muss man definitiv auch Phurpa zählen, die aus Russland stammen und sich vollständig der Bönreligion widmen, die aus Tibet stammt und sich trotz der dort vorherrschenden buddhistischen Religion immer noch erhalten, auch wenn es seit dem 8. Jahrhundert gegenseitige Beeinflussungen beider Religionen gab.

Die Bönreligion ist dabei stark von schamanischen Elementen geprägt, was sich auch auf dem Album zeigt und ausschließlich aus tibetanischem Kehlkopfgesang besteht, zu dem gelegentlich Heulen von Wind und tibetanische Instrumente in Form von Glocken bzw. Schellen zu hören sind. Die sakrale Stimmung bleibt dabei das Album über durchweg erhalten, abwechseln tut sich nur gelegentlich die Tonlage des Kehlkopfgesangs. Mit der Zeit merkt man als Hörer aber, wie man von der Aura, die das Album verbreitet gefesselt wird und das Gefühl hat leibhaftig an Ritualen beizuwohnen.

Natürlich ist das Album selbst in einem so speziellen Genre wie dem Ritual-Bereich ein Außenseiter. Wer sich drauf einlässt, bekommt aber ein starkes Album geboten, das viele Alben in dem Genre in den Schatten stellt und auf seine Weise einzigartig und eigenwillig ist.

Homepage: phurpa.bandcamp.com

Text: Tristan Osterfeld