Ganz selten gibt es Alben, die auch rund 40 Jahren nach Erscheinen noch immer zu den besten Werken aller Zeiten zu zählen sind. Eins dieser raren Beispiele ist Wish you were here von Pink Floyd aus dem Jahre 1975. Jetzt erscheint eine DVD/Blu-ray, in der sich die Musiker von Pink Floyd, Roger Waters, Dave Gilmour, Nick Mason und Richard Wright sowie einige andere Zeitzeugen detailliert zu den Arbeiten im berühmten Abbey Road Studio äußern. Das Vorgängeralbum The dark side of the moon wurde 2 Jahre zuvor zu einem Welterfolg und der Druck, ein mindestens ebenbürtiges Album aufzunehmen, war schier unmenschlich und so wussten die Protagonisten und ihr Sound Engineer Brian Humphries nicht genau, wie es weitergehen sollte.

Das sollte sich trotz der sich anbahnenden Grabenkämpfe zwischen Roger Waters und dem Rest der Band bald ändern, als man die Hymne über den Verlust des Pink Floyd Gründers Syd Barret, der irgendwann dem Druck der Musikindustrie nicht mehr gewachsen war und sich in eine Welt von LSD und anderen Drogen verlor, aufnahm, die auch heute noch eine der großen Nummern aller Zeiten ist. Shine on you crazy diamond ist einer der Songs, die einen großen Rahmen auf Wish you were here einnehmen.

Den anderen Teil nimmt die Kritik an der Musikindustrie ein, die Pink Floyd hier vor allen Dingen in Have a cigar verarbeiten. Was für den Pink Floyd Aficionado zwar nicht neu ist, aber für den normalen Besitzer des Albums eine Überraschung ist, ist die Tatsache, dass beim Song Have a cigar über ein typisches Gespräch eines Plattenchefs, eben nicht Waters oder Gilmour zu hören sind, sondern Gastsänger Roy Harper, der den wunderbaren Satz: „The band is just fantastic, that is really what I think. Oh by the way, which one’s Pink?“ singt.

Natürlich wird auch das Titelstück Wish you were here einer besonderen Analyse unterzogen und es ist mehr als ein Liebeslied, es dreht sich wie bei vielen Floyd Stücken um geistige und körperliche Abwesenheit.

Auch Charlene und Vanessa, die beiden Background-Sängerinnen auf Wish you were here kommen auf dieser DVD/Blu-ray zu Wort. Natürlich erfährt der Zuseher auch etwas über die Covergestaltung, die mittlerweile berühmt gewordenen Fotos des brennenden Mannes, dem Stuntman Ronnie Rondell, der sich tatsächlich für das Cover anzünden ließ und dem surreal wirkenden Bildern von Storm Thorgerson, die das Cover veredeln, auf sich hat.

Eine Würdigung eines der größten Alben aller Zeiten, das auch für den gestanden Pink Floyd-Fan einige Neuigkeiten parat hat.

Text: Dennis Kresse