Hans-Joachim Roedelius, einer der deutschen Altmeister des Krautrock, hat auch mit 78 Jahren noch nicht genug und präsentiert zusammen mit Onnen Bock das vierte Album unter dem Namen Qluster: Lauschen. Als Gast auf diesem am 02.02.2012 in Berlin aufgenommenen Livealbum spielt Armin Metz mit. Natürlich ruft der Name Qluster bei jedem Krautrock-Kenner Erinnerungen wach; wie schon bei Kluster in den 60ern und der daraus entstandenen Band Cluster (1971-2010) steht Klangästhetik im Mittelpunkt des Schaffens. Man könnte diese Musik als Ambient abtun, aber eigentlich passiert hier viel mehr als ein bloßes Dümpeln der Töne.

Kein Wunder, dass Brian Eno schon in den 70ern mit Cluster zusammengearbeitet hat – hinter all den Klängen verbirgt sich nämlich ein System gekonnter Improvisation. Das Surren, Flirren und Dröhnen der Synthesizer, oft aufgelöst durch sparsam gesetzte Piano-Klänge, ist keineswegs beliebig und erzeugt eine unheimliche Atmosphäre, die natürlich an die Ambient-Tetralogie von Brian Eno erinnert. Und doch fügt das Trio ein entscheidendes Element hinzu: die dunkle Spannung des Industrial. Das Ergebnis fällt zwar bei weitem nicht so hammerhart wie bei Trent Reznor und seinem Langzeitprojekt Nine Inch Nails aus, aber Lauschen klingt Reznors anderen Klangexperimenten gar nicht so unähnlich. Ab dem vierten Stück erinnern die Sounds manchmal sogar an Tangerine Dream.

Zwar ist das Album in neun Stücke unterteilt, aber sie bilden ein ganzes und sollen genau dem entsprechen, was seinerzeit im Konzert zu hören war. Dabei funktioniert das Album meiner Meinung nach nur als Monolith, der natürlich am Stück gehört wird. So kann sich der unheimlich detaillierte und kraftvolle, dann teilweise wiederum verhaltene und stille Klang vollends entfalten. Man hört deutlich, dass Roedelius und seine beiden Mitspieler genau wissen, was sie tun, und es perfekt in die Tat umsetzen. Daher kann ich nur eins empfehlen: nämlich Qluster zu Lauschen.

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Text: Wolfgang Merx