Typisch taumelnd zwischen Vorfreude und Skepsis harrt der musikalische Kosmos seit einiger Weile auf einen neuen potentiellen Meilenstein Rockgeschichte. In den letzten Wochen aufgeheizt und gleichermaßen handzahm gehalten durch PR-versiert vorveröffentlichte Musikvideos schreiben die ersten Kritiker bereits fleißig vom State of Art heutiger Rockmusik. Jedoch: Was tickt in …Like Clockwork – dem neuen Album von Queens of the Stone Age? Die biologische Uhr alternder Rockgiganten oder doch der unbezwingbare Drang zu schöpferischer Kreativität auf musikalischem Hochniveau?

„An audio documentary of a manic year”, beschreibt Josh Homme – Gründer, Gitarrist und Songwriter der Band – das sechste Studioalbum. Diesem Lebenszeichen nach sechsjährigem musikalischen Schweigen, Meldungen über Drogen, Depressionen, Existenzkrisen und Nahtoderfahrungen stellt sich Homme nicht ungewappnet: …Like Clockwork glänzt mit aufpoliertem Lineup. Neben den derzeit fünf festen Bandmitgliedern verstärken Dave Grohl und Joey Castillo die Drums sowie Nick Oliveri und Mark Lanegan die Gesangsparts. Sir Elton John verhilft durch sein Mitwirken dem klingenden Namen der Band letztendlich zu einem Gesicht.
Dass außerdem noch Trent Reznor, James Lavelle, Arctic Monkeys’ Alex Turner und Jake Shears der Scissor Sisters ihre Finger (oder Stimmen) mit im Spiel haben, lässt nach der Funktion dieses musikalischen Potpourris fragen. Geht es hier um Stilisierung und Weiterentwicklung eines Ausdrucks, der eine ganze Generation Musiker und Musikliebhaber faszinierte und prägte – oder doch nur um freundschaftlich-gesellige Nachmittage in den Pink Duck Studios in Burbank (Kalifornien) unter Inkaufnahme leichter musikalischer Orientierungslosigkeit?

Zwischen typischem Praise God, nothing is as it seems., Glassplittern und Basslines, die selbst musikalischen Analphabeten Gänsehaut bereiten in Keep your eyes peeled und ungewöhnlich intimen Klavierballaden-Reflektionen über Liebe und Verlust (I sat by the ocean) mischen Queens of the Stone Age Prog-, Hard- und Glammetal der Siebziger, machen Abstecher in den Psychedelic-Blues und feiern die Beatles (Fairweather Friends). Dank Josh Hommes unverkennbarem Gitarren-Stil schimmert beizeiten etwas von Brian May oder George Harrison zwischen den Zeilen. Aber etwas fehlt.

Keine Gitarren-Riffs, die 12-Jährige dazu verleiten könnten, zum ersten Mal in ihrem Leben ein Instrument in die Hand zu nehmen.
Keine Solos, die ambitionierte Spieler hilflos an ihren Instrumenten verzweifeln lassen – verfolgt von der Frage: „Wie MACHT Homme das mit seiner Gitarre?“

Gesichert ist: Statt State of Art heutiger Rockmusik findet sich auf …Like Clockwork eher ein Konstrukt aus Vergangenheitszitaten – eine Reise durch den Kanon der Rock-Historie. Nicht die Entdeckung neuer Welten und Dimensionen ist das Ziel. Einem Innehalten gleich, welches bereits der punktiert-verzögerte Albumtitel suggeriert, resümiert Homme, was zu den vergangenen, intensiv verlebten Jahren musikalisch noch zu sagen ist. Und stabilisiert durch nicht-sterile musikalische Perfektion nebenbei weiter das Fundament des Denkmalsockels von Queens of the Stone Age.

Kurzfilm zum Album, der die vorab veröffentlichten Videos vereint:


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Text: Ann-Kristin Herget