So manchem Hörer fällt zu dem Namen Rainbow leider nur der AOR-Hit Since You’ve Been Gone aus der mittleren Phase der Band ein. Dass die Band in ihren ersten Jahren keineswegs dem Mainstreamsound verfallen und auch mehr als nur der legitime Nachfolger von Deep Purple war, zeigte sie vor allem im Konzert. Mit Live In Munich 1977 liegt nun der Re-Release der erstmals 2006 erschienenen Aufnahme aus der sehr bekannten Rockpalast-Konzertreihe auf DVD, Doppel-CD und Doppel-Vinyl vor. Besprochen wird hier die CD-Ausgabe.

Zwar war Rainbow vornehmlich die Soloband des weltbekannten und technisch brillanten Deep-Purple-Gitarristen Ritchie Blackmore, aber gerade die prominente Rolle von Ronnie James Dio als Sänger der Band machte den großen Unterschied zu anderen harten Bands der damaligen Zeit aus. Seine Gesangsbeiträge haben hier die gleiche große Klasse wie später bei Black Sabbath, Heaven And Hell oder seiner Soloband Dio. Man hört, dass er ein absolut großartiger Sänger war – und leider 2010 zu früh von uns gegangen ist. Sein Gesang bietet den Gegenpart zu Blackmores virtuosem Gitarrenspiel, das schon das Markenzeichen von Deep Purple war, und bei Rainbow instrumental – wie könnte es anders sein – führend ist. Immer wieder fallen die Klassikzitate zwischen den harten Passagen auf, ebenso die langen Soloteile, bei denen oft nur Blackmore ganz allein zu hören ist.

Wenn jedoch die Band als Ganzes spielt, hört man hier beispielhaft, wie sich seinerzeit Hard Rock zu Metal gewandelt hat. Gerade Cozy Powells (R.I.P.!) treibendes Doublebass-Drumming fällt besonders auf, weil er mehr oder weniger Blackmores Sparringspartner während den Bandparts ist. Bob Daisley am Bass und David Stone an den Tasten bleiben jedoch nicht außen vor, denn insbesondere Stone bringt mit seinen Streicherkeyboards und Synthesizern die gewissermaßen epischen Sounds in die Band, die bei Deep Purple nicht vorhanden waren, da sich Jon Lord fast ausschließlich auf seine Hammond-Orgel verlassen hat – und das allerdings bis zur Perfektion! Stone hingegen setzt die Hammond vielmehr begleitend ein, jedoch ohne diese Teile beliebig wirken zu lassen.

An den Längen der Stücke wird deutlich, dass die Band sich gerne in Soli verlor, glücklicherweise ohne dabei den Faden zu verlieren. Bis auf den Opener Kill The King dauern alle Stücke zwischen 7 ½ und 27 ½ Minuten – deswegen kommt die Setliste auch mit bloß neun Liedern über gut 113 Minuten Konzertlänge aus. Und wie bei durchgängig allen Rockpalast-Aufnahmen ist der Konzertsound in bester Qualität eingefangen worden.

So bleibt am Ende nur zu sagen, dass mit Live In Munich 1977 eine großartige Aufnahme aus der meiner Meinung nach besten Phase der Band Rainbow vorliegt. Im Gegensatz zu vielen anderen härteren Bands der damaligen Zeit ist der Sound von Rainbow weitestgehend zeitlos – so wundert es nicht, dass sich viele aktuelle Metal-Bands immer noch an Rainbow orientieren.

Text: Wolfgang Merx