Vor über 20 Jahren sangen Blumfeld Viel zu früh und immer wieder – Liebeslieder. Und nun kommen die Münchner von Redweik mit ihrem Debüt-Album Keine Liebe, sind früh in ihrer Karriere und spielen auf dem Album vor allem eines: Liebeslieder. Die deutsche Sprache und die Tatsache, Gitarren-dominierte Musik zu machen, sind dabei auch die einzigen Überschneidungen mit der Band um Jochen Distelmeyer. Das Thema Liebe mag ausgelatscht klingen und nicht umsonst kritisch beäugt zu werden, aber es ist überraschend erfrischend, wie es Redweik schaffen, sich aus ungewohnten Perspektiven diesem Thema zu widmen, das in etwa Dreiviertel des Albums einnimmt.

Ein Stück, das die Band selbst immer wieder gerne anführt, ist Sammelst du Herzen, das ursprünglich von einer Tengelmann-Kassiererin inspiriert wurde, wo Herzen Treuepunkte sind. Stattdessen fragen Redweik danach, ob jemand Herzen sammelt und sich das Beste aussucht oder es tatsächlich mit der Liebe ernst meint. Musikalisch verpackt in einem international anmutenden Soundgewand mit verzerrten Gitarren im mittleren Tempo. Oder auch Hochhaus mit dem Bild, die Liebe aus Trotz von einem Hochhaus zu stürzen, mit einem schwungvollen Stück Pop-Rock.

Aber es ist dann doch nicht immer nur die Liebe, um die es bei Redweik geht. Auch das Ausbrechen aus dem Alltags-Trott ist ein Thema. Das bereits vorab als Single ausgekoppelte Maschine besingt das alltägliche Aufstehen, zur Arbeit gehen usw. Und den Wunsch danach, eben nicht mehr Teil dieser Maschine zu sein und auszubrechen. All das begegnet mit optimistischen Rock-Klängen und gesättigtem Gitarrensound.

Redweik haben mit Keine Liebe ein ansprechendes Album für die Freunde deutschsprachiger Rockmusik geschaffen, das trotz ausgelatschter Thematik völlig unausgelatscht und sehr erfrischend wirkt. Mit einem Sound, der sich auch auf den großen Bühnen gut machen wird. Drücken wir der sympathischen Band die Daumen, dass sie genau dort bald stehen wird.

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Text: Marius Meyer